Kritik zu What Happened to Monday?

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Die düstere Dystopie von Tommy Wirkola (»Hänsel und Gretel: Hexenjäger«) erzählt von sieben Schwestern, die außerhalb ihres Verstecks nur überleben, wenn sie in die Rolle einer einzigen Frau schlüpfen

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In westlichen Industriestaaten gibt es mannigfaltige Krisenherde, doch ein Problemfeld zählt gewiss nicht dazu: drohende Überbevölkerung durch Geburtenüberschuss. Aus diesem Grund wohl hatte der Science-Fiction-Film »Geburten verboten« nur einen bescheidenen Erfolg. Trotzdem greift Tommy Wirkola nun auf die nicht überzeugende Grundidee von ­Michael Campus' Film aus dem Jahr 1972 zurück. Logische Plausibilität ist aber nicht das Alleinstellungsmerkmal seines streckenweise wirklich packenden Sci-Fi-Thrillers nach einer Idee von Max Botkin (dessen Skript angeblich seit Jahren auf Hollywoods Blacklist unverfilmter Superdrehbücher stand).

Das Szenario einer durch Staatsterror erzwungenen Ein-Kind-Politik dient dem norwegischen Kritikerliebling Wirkola als Aufhänger für eine reizvolle dramaturgische Ausgangssituation: In einem provisorischen Krankenhaus der nahen Zukunft kommen sieben Schwestern zur Welt. Normalerweise sammelt eine gnadenlose Miliz überzählige Kinder ein, um sie auf staatliche Anordnung in einen Kältetiefschlaf zu versetzen. In ­einer fernen Zukunft ohne Probleme sollen die wiedererweckten Schläfer ein sorgenfreies Dasein fristen. Großvater Settman ­(Willem Dafoe) misstraut diesem Versprechen. Um seine verwaisten Enkel dem Radar der Behörden zu entziehen, baut er seine Wohnung zu einem raffinierten Versteck um. Fortan dürfen die sieben Schwestern ihre vier Wände nur an jenem Wochentag verlassen, dessen Namen sie tragen. Der besondere Clou: Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, sich etwa als platinblonde Marilyn, be­brillte Computernerdin oder als kiffende New-Age-Träumerin modeln, schlüpfen sie außerhalb der vier Wände in ein und dieselbe Identität.

Über Jahre hinweg funktioniert das perfekt. Und so stellt sich die interessante Frage, ob Weiblichkeit – frei nach der Psychoanalytikerin Joan Riviere – etwa darin aufgeht, eine Maskerade zu sein? Aus dieser kniffligen psychologischen Problemstellung hätte der Film deutlich mehr machen können. Ausgelotet wird aber vor allem die physische Dimension der multiplen Identität. Verliert eines der Mädchen bei einem Unfall die Fingerkuppe, dann muss der Großvater bei den anderen sechs mit dem Skalpell entsprechend nachhelfen. Autsch.

»What happened to Monday?« ist kein feministischer Film, doch er zeigt Frauen in Keilereien, die im konventionellen Action­drama vorwiegend Männer ausfechten. Als ein Killerkommando das Versteck stürmt, wehren die Schwestern sich mit Kung-Fu, Bügeleisen und heißem Fett. In seinem geradlinigen Thriller verbeugt Wirkola sich nebenbei vor Klassikern wie »Blade Runner« und »Jahr 2022 … die überleben wollen«, setzt dabei aber durchaus eigene Akzente. Besonders die klaustrophobische Anmutung einer übervölkerten und überwachten Welt überzeugt. Trotz zwei Stunden Spieldauer ein kurzweiliges Spektakel mit einer sichtlich gestrafften Glenn Close als böser Technokratin und einer quirligen Noomi Rapace in gleich sieben Rollen.

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