Kritik zu Wenn du König wärst

© 20th Century Fox

Joe Cornish (»Attack The Block«) interpretiert die Artus-Legende neu. Diesmal ist es Teenager Alex, der zufällig Excalibur aus dem Beton zieht und dann das heutige »gespaltene« Großbritannien retten soll

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Das Land sei, so Zauberer Merlin zu Alex, »divided, fearful, leaderless«, gespalten also und furchtsam und obendrein noch führerlos. Von daher sei es hoch an der Zeit, dass sich endlich jemand des allzu lange schon verwaisten magischen Schwertes Excalibur annehme und wieder Ordnung in den Laden bringe. Und dieser Jemand sei nun einmal er, Alex, da helfe kein Hadern und kein Zetern und erst recht nicht der Verweis auf bescheidene Herkunft und unglamouröse Persönlichkeit. Alex weiß zwar nicht, wie ihm geschieht, das hilft ihm aber auch nichts mehr.

Es ist eine jener Geschichten, in denen die Welt der Sagen und Legenden in die schnöde Wirklichkeit hineinplatzt und ihre Existenz behauptet. Was in der Folge oft zu lustigen Verwerfungen mit verständnislosen Eltern, humorlosen Lehrern und sonstigen fantasielosen autoritären Instanzen führt. Im vorliegenden Fall, in »Wenn du König wärst« (Originaltitel: The Kid Who Would Be King) von Joe Cornish, ist das nicht anders. Hier ragt Excalibur mit einem Male auf einer Baustelle aus dem Beton, wo Alex es kurzerhand und nicht ahnend, dass es den Rettungsauftrag für das Königreich im Schlepptau hat, herauszieht und mit nach Hause nimmt. Jungs seines Alters können bekanntlich immer alles brauchen.

Es war König Artus, der einst Excalibur führte, als er mit seinen Rittern der Tafelrunde, darunter die Herren Lancelot, Gawain und Galahad, unterstützt vom Druiden Merlin von Burg Camelot aus zu Heldentaten auszog, die das zerstrittene Reich schließlich einigten. Das war so in etwa um die sechste Jahrhundertwende herum, ist also schon etwas länger her. Die Zeiten haben sich geändert, was Cornish jedoch nicht anficht, hat der doch bereits 2011 mit vergleichbarer Souveränität pechschwarze Fellknödel-Aliens mit phosphoreszierenden Reißzähnen auf eine Sozialbau-Wohnsiedlung in London losgelassen; die resultierende Konfrontation mit der ortsansässigen Gang bot sodann eine so überraschende wie hochkomische Paarung von wilden Scherzen und treffsicherer Milieuschilderung, an deren Ende es sogar noch eine Frohbotschaft setzte. »Attack the Block« hieß das fulminante Debüt, und allzu lange musste man auf den Nachfolger warten.

Immerhin hat es sich gelohnt, denn auch »Wenn du König wärst« gelingt das verblüffende Kunststück, mitten im englischen Alltag – inklusive King-Arthur-Tourismustrubel und Devotionalienhandel – glaubwürdig eine Fantasy-Ebene einzuziehen; und dann auch noch keineswegs nur nebenher von der Selbstfindung verunsicherter Teenager zu erzählen sowie ganz allgemein Zukunftsoptimismus zu verbreiten.

Erwachsene können den Film als politische Metapher lesen; denn auch wenn das unschöne B-Wort nicht fällt, so ist es doch ein Leichtes, sich in der bösen Antagonistin, Zauberin Morgana – vor allem in ihrer Gestalt des Man-Dragon –, eine Verkörperung der EU vorzustellen, aus deren Umklammerung Großbritannien sich so dringend befreien will. Der Junge muss nur erst noch das Schwert finden...

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