Kritik zu Verliebt in meine Frau

© Weltkino

2018
Original-Titel: 
Amoureux de ma femme
Filmstart in Deutschland: 
11.10.2018
L: 
85 Min
FSK: 
keine Beschränkung

In seiner vierten Regiearbeit verkörpert Daniel Auteuil einen Ehemann, der sich bei einem Diner angesichts der neuen jungen Partnerin seines besten Freundes in mentale Ausbruchsszenarien verirrt

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Mit listiger Diplomatie gegenüber seiner widerstrebenden Frau Isabelle lädt Verleger Daniel seinen langjährigen Freund Patrick und dessen neue Partnerin Emma zum Diner ein. Letztere ist der Grund des Anstoßes, denn Patrick hat wegen der jungen Emma seine Ehefrau, Isabelles beste Freundin, verlassen. Es ist angerichtet: die kammerspielhafte Vierer-Konstellation erinnert sofort an eine Boulevardkomödie, und tatsächlich hat Daniel Auteuil das Stück »L'envers du décor« von Florian Zeller, in dem er bereits auf der Bühne stand, als ­Regisseur und Hauptdarsteller adaptiert.

Der dramaturgische Kniff besteht nun weniger darin, dass Isabelle die bis dahin unbekannte, blendend schöne Neue und ihren alten Galan schief anschaut. Als roter Faden dient das wunderliche Verhalten von Daniel, der angesichts der sinnlichen Emma völlig aus der Rolle fällt. Vom Champagner über den Spargel und den Lammbraten bis hin zum Windbeutel mit Schokolade verliert sich Daniel permanent in Tagträumen. Er driftet nicht nur in erotische Fantasien, die verbale Fehlleistungen zur Folge haben – so grübelt er über die Tönung von Emmas Schamhaaren nach –, sondern schweift in Männer-Groschenromane ab. Mental sieht er sich, in Fortsetzungen, als ritterlicher ­älterer Liebhaber, der mit der ihm verfallenen Emma den Ausbruch in ein neues Leben – Venedig! – wagt. Als Folie seines Verhaltens dient der explizite Verweis auf Tschechows Bühnenstück »Onkel Wanja«, dessen komödiantische Variante dieser Film in gewisser Weise auch ist.

Nun haben Daniels Fantasien eine subversive Note, weil Realität und Wunschträume bruchlos ineinander übergehen und ­zunächst nicht zu erkennen ist, was denn nun einzig in Daniels Kopf stattfindet. So wird man dazu gebracht, sich zu fragen, wie viele klischeehafte Männerfantasien man in sonstigen Filmen ignoriert hat. Viel anregender aber wird es leider nicht, weil Auteuil auch bei der Inszenierung der Paarbeziehungen ohne humoristische Widerhaken und mit schwerfälligem Timing altbackene Klischees umarmt. Die lächelnde Emma (­Adriana Ugarte aus »Julieta«) ist eine Traumfrau ohne Eigenschaften. Gérard Depardieu, dem man sonst einfach alles zutraut, ist als übergewichtiger Kavalier eine unbeabsichtigte Peinlichkeit. Auteuil wandelt als verzückter Daniel auf den Spuren von Woody Allen, entfaltet aber in kaum einer Szene jene bittere Selbstironie, mit der Allen etwa in »Mach's noch einmal, Sam« die maskulinen Posen eines Humphrey Bogart zu imitieren versuchte. Die einzige Person mit Pfeffer im Hintern ist Sandrine Kiberlain, die, als Ehefrau in Habachtstellung, Daniels merkwürdiges Gebaren durchschaut. Diese ulkige Bockigkeit hat sich Kiberlain erst in den letzten Jahren in ihren Rollen als unentspannte Ehefrau etwa in »Große Jungs – Forever young« antrainiert. Noch im gefeierten Drama »Mademoiselle Chambon« von 2009 war sie, wenn auch eleganter präsentiert als die jugendpralle Emma, selbst das Objekt der romantischen Begierde eines Ehemannes, der sich à la »Onkel Wanja« zwischen der Sehnsucht nach einem anderen Leben und dem Komfort des Ehelebens entscheiden muss.

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