Kritik zu Triple 9

© Wild Bunch

In John Hillcoats (»The Road«) hochkarätig besetztem Thriller bekommt es eine Bande korrupter Cops mit der Russenmafia zu tun

Bewertung: 2
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)

Je nach Perspektive klingt die Story von John Hillcoats neuem Film »Triple 9« entweder abgedroschen oder klassisch. Es geht um eine Bande korrupter Cops und ehemaliger Elitesoldaten, die in Atlanta einen spektakulären Banküberfall durchführt. Allerdings verläuft der Coup nicht so gewaltlos wie geplant. Das wiederum zieht den Druck der sauberen Polizeikollegen nach sich. Zudem halten die Auftraggeber von der örtlichen Russenmafia sich nicht an die Abmachung: Vor der Entlohnung soll die Crew erst einen letzten, ungleich gefährlicheren Überfall durchziehen. Die Kreise aus allen Richtungen werden immer enger.

Man muss die Verästelungen der Geschichte nicht kennen, um zu wissen, dass man Variationen davon gefühlt schon hundertfach gesehen hat: der letzte Coup, der labile Verräter, die verhängnisvolle Affäre. Als kraftvolles Genrekinohandwerk kann das trotzdem großartig funktionieren. Und John Hillcoat, Regisseur von »The Road« und des Outback-Westerns »The Proposition«, scheint genau der richtige Mann zu sein, um das Ganze mit einem finster-existenzialistischen Touch aufzufrischen. Der einleitende Überfall ist denn auch ungemein packend. Und in den Szenen danach, wenn die Kontrahenten vorgestellt und die dramaturgischen Fallstricke ausgelegt werden, wirkt der Film wie die düstere Ausgabe eines Michael-Mann-Films, nur ohne die pubertäre Machismo-Anhimmelei. Hillcoats erzählerischer Tonfall ist nüchtern, effizient und frei von jedem Versuch einer Romantisierung. Genau diese emotionale Zurückgenommenheit erweist sich aber bald als Handicap. Da versammelt Hillcoat großartige Schauspieler wie Chiwetel Ejiofor, Woody Harrelson, Casey Affleck und Anthony Mackie, gibt ihnen aber nichts, womit sie arbeiten können. Die Beziehungen wirken oberflächlich, die Motivationen unglaubwürdig, die Gewaltausbrüche überspreizt. Der Anflug von Seelentiefe, den »Walking Dead«-Star Norman Reedus als skrupulöser Ganove mitbringt, wird im wahrsten Wortsinn erstickt: Nach wenigen Szenen endet er mit einer Plastiktüte über dem Kopf. Immerhin Kate Winslet ist als russische Mafiapatin mit auftoupiertem Haar und riesigem Davidsternamulett vor der Brust von deliziöser Eiseskälte. Man weiß leider nie genau, ob das Karikaturenhafte dieser Figur wirklich eine bewusst gesetzte Pointe ist. Was bleibt, sind Klischees.

Erschwerend kommt ein Drehbuch hinzu, dessen Versuch, sämtliche Konflikte auf Teufel komm raus miteinander zu verästeln, vor allem überkonstruiert wirkt. Mit seinen zahllosen Figuren und den multiplen Handlungssträngen hat »Triple 9« die Ambition ein Genreepos in der Tradition von Manns »Heat« zu sein. Aber ohne den langen Atem eines Epos wirkt er schmalbrüstig und überladen zugleich. Die Dialoge behaupten Freundschaften, Loyalitäten und moralische Ambivalenzen, die von der Geschichte nicht getragen werden. Aus welcher Perspektive man es auch betrachtet: Am Ende sieht die klassische Geschichte von »Triple 9« nur noch abgedroschen aus.

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