Kritik zu Thinking like a Mountain

OmU © déjà-vu film

Alexander Hick hat für seinen dokumentarischen Essayfilm eine indigene ­Gemeinschaft in Nordkolumbien ein Jahr lang begleitet

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Wie ein von den Christos verhüllltes Schloss thronen die Eisberge ganz oben auf der nordkolumbianischen Sierra Nevada de Santa Marta. Der Kameramann Immanuel Hick hat sie so attraktiv in Szene gesetzt, dass Eis, Schnee und tropfendes Wasser glitzern wie kostbare Diamanten. Denn auch hier in fast sechstausend Metern Höhe nagt die Erderwärmung am Gletschereis. Weiter unten graben Kolonnen von Baggern zum großflächigen Kohlenabbau tiefe Wunden in das höchste Gebirge Kolumbiens.

Eine fast metaphorische Konstellation. Doch für die hier lebenden Menschen Alltag. Zum Beispiel die Arhuaco, eines von vier in den Bergen ansässigen Völkern. Die gelten zwar als »indigen«, sind aber auch erst seit hundert Jahren hier, nachdem sie von spanischen Siedlern und dann von Klerikalen brutal in die Berge vertrieben wurden. Später kam der in der Region lange tobende Krieg zwischen Regierung, Paramilitärs und der FARC-Guerilla. Wie auch andere indigene Völker sind die Arhuaco eng mit der ­Natur verbunden und in ständigem Austausch mit den Bäumen, der Lagune und dem Berg, als deren Bewacher sie sich verstehen. Mamos heißen die Schamanen, die diese spirituellen Kontakte machen und die Wellen als Lächeln des Sees verstehen.

Der junge Filmemacher Alexander Hick hat ein Jahr lang bei den Arhuaco gelebt. Für diesen Film begibt er sich mit einem einheimischen Übersetzer und einem Mamo durch das Land, um Geschichte und gegenwärtige Situation der Menschen zwischen Friedensabkommen und zunehmender Globalisierung zu erkunden. Denn neben dem Klimawandel halten in der Sierra auch Touristen Einzug, für die die Arhuaco nun ihre rituellen Tänze inszenieren.

Das Ergebnis ist ein Filmessay, dessen offener Struktur es überzeugend gelingt, Schönheiten und Trauer über die Verluste zusammenzubringen. Dabei wird in historischen Bild- und Filmdokumenten auch die koloniale Vergangenheit drastisch anschaulich. Trotz einer durchgehenden Erzählung traut sich Hick dabei, Dinge auch einfach unerklärt zu lassen.

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