Kritik zu That's Why The Lady Is A Champ
Die Verfilmung von Christy Martins Leben ist kein klassisches Boxdrama, sondern eine Auseinandersetzung mit toxischen Beziehungen und damit, wie schwer es ist, sich aus diesen zu befreien.
Es ist vielschichtiger als die Frage, wieso Profiboxerin Christy Martin (Sydney Sweeney) ihrem Ehemann und Trainer James (Ben Foster), der sie zunehmend kontrolliert, bedroht, finanziell und sexuell ausbeutet, nicht einfach mal eine kräftige Rechte auf die Nüsse gibt: Beziehungen, nicht nur, aber auch zwischen Männern und Frauen, sind komplex. Genau das versucht der australische Regisseur David Michôd auszudrücken, der das Drehbuch für sein Biopic über die heute 58-jährige Martin gemeinsam mit Drehbuchautorin und Schauspielerin Mirrah Foulkes schrieb.
Er zeigt Christy, von einer ungeschminkten Sweeney hingebungsvoll mit angemessener Körperspannung und passend schauriger 90er-Frisur dargestellt, zunächst als junge, heimlich mit einer Frau schlafende Sportlerin, deren Talent im professionellen Verdreschen schnell alles überstrahlt – und alle überzeugt. Selbst Christys Mutter (Merritt Wever), deren permanente passive Aggressivität sich in einer angestrengt gedämpften, hohen Stimmlage Bahn bricht, scheint irgendwann aufzuhören, am gewählten Weg ihrer Tochter herumzukritteln. Denn es läuft gut für das Boxtalent – auch der unscheinbare und dennoch Professionalität versprechende James sieht die Chance und das Geld, das sich mit Christys Fäusten machen lässt. So boxt sich Christy wortwörtlich durch, und ihr hartes Training revanchiert sich, als der Star-Box-Promoter Don King (Chad L. Coleman), Manager der Größten der Branche, auf das unter »ferner liefen« gespeicherte Frauenboxen aufmerksam wird und die Sache in andere Bahnen leitet, inklusive großer Kämpfe, rosa Satinmantel und eines neuen Kampfnamens: »The Coal Miner’s Daughter«.
Doch Michôd erzählt keine Sport-, sondern eine Beziehungsdramaturgie. Und so präsentiert der Film nur wenige Kampfszenen, wenige Letzte-Sekunde-Siege oder -Niederlagen, keine in Slow Motion fliegenden Fäuste und wartet auch nicht mit dem hollywoodtypischen sportiven Glamour eines Films wie »Million Dollar Baby« auf. Stattdessen kümmert er sich um die psychologische Entwicklung und illustriert, wie sich die Grenzen in toxischen Beziehungen verschieben. Die Unfähigkeit, sich vor der sich anbahnenden, durch die Kokainabhängigkeit der Eheleute noch verstärkten Katastrophe in Sicherheit zu bringen, hängt wesentlich mit Christys Vergangenheit und Erziehung zusammen: Toxische Beziehungen ist sie gewohnt. Dazu braucht man nur die perfiden Sprüche ihrer Mutter zu hören, die ihre Tochter auch nach Hilferufen immer wieder in den privaten Käfig zurückschickt, in dem es schlimmer zugeht als im Ring.
So weit steckt die Abhängigkeit in der nach außen toughen Christy, die sich für die Öffentlichkeit als klassische Ehefrau generiert und damit auch noch ihre queere Identität verleugnet, dass sie erst aufwacht, als es fast zu spät ist. Die schockierende Explosion von ehelicher Gewalt, Hass und Rache, die Christy nur knapp überlebt, erzählte schon eine vor fünf Jahren erschienene Netflix-Dokumentation. Aber die Sportlerin, die heute mit einer ehemaligen Gegnerin verheiratet ist, hat triumphiert – bestimmt der wichtigste K. o. ihres Lebens.






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