Kritik zu Soul Boy

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Hilfe zur kulturellen Selbsthilfe: »Soul Boy« von Hawa Essuman entstand mit westlicher Unterstützung, mit Tom Tykwer als Regie-Supervisor, und ist dennoch ein genuin afrikanischer Film

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Als der 14-jährige Abila (Samson Odhiambo) seinen Vater eines Morgens verkatert und desorientiert vorfindet, ist die Existenzgrundlage der Familie gefährdet. Der Vater, der einen kleinen Laden in Kibera, einem der größten Slums Afrikas am Rande der kenianischen Hauptstadt Nairobi, führt, gibt vor, dass ihm die Geisterfrau Nyawawa (Krysteen Savane) seine Seele geraubt habe. Mit Hilfe seiner Freundin Shiku (Leyla Dayan Opollo), die einem anderen Stamm angehört, kann Abila die mysteriöse Frau ausfindig machen. Nyawawa, die sich einst aus Liebeskummer das Leben genommen hatte und aus dem Totenreich zurückgekommen ist, um sich an untreuen Männern zu rächen, gibt Abila die Chance, seinen Vater zu retten. Sieben Prüfungen muss er innerhalb von 24 Stunden bestehen.

Entstanden ist der kleine Film (57 Minuten) im Rahmen eines Workshops, der unter anderem von der deutschen Produktionsgesellschaft One Fine Day Films veranstaltet wurde. Die Gesellschaft, gegründet von Tom Tykwer und der Produzentin Marie Steinmann, hat sich zum Ziel gesetzt, anspruchsvolle künstlerische Projekte in Afrika zu unterstützen und dabei vor allem Menschen in den Slums für diese Tätigkeiten zu interessieren. Das Konzept zu »Soul Boy« wurde von Tykwer zusammen mit dem kenianischen Autor Billy Kahora entwickelt, der für das Drehbuch verantwortlich ist. Das Filmteam bestand aus professionellen Mitarbeitern (Kamera: Christian Almesberger), die Schauspieler wurden vor Ort gecastet. Es ist der erste Spielfilm der ghanaisch-kenianischen Regisseurin Hawa Essuman – und gleich einer im großen 35-mm-Format. Der unaufdringliche Ethno-Soundtrack stammt von Xaver von Treyer.

Das Ergebnis dieses Low-Budget-Projekts kann sich sehen lassen. Die einfache episodische Konstruktion, die mit Nyawawas kryptischen Aufgaben angelegt ist, erlaubt es, die alltägliche Lebenswelt des Ghettos mit all seiner Geschäftigkeit, den sozialen Konflikten und den ethnischen Spannungen aus der Perspektive der beiden jugendlichen Protagonisten aufzufächern, ohne der Geschichte die »übliche Elendsdramaturgie« (Tykwer) überzustülpen. Des Öfteren steigt die Kamera über die Blechdächer Kiberas empor und gibt einen Blick auf den Irrgarten von Gassen und Häusern frei, um sich dann wieder in dem wimmelnden Mikrokosmos zu verlieren. Dort steht Ungleichzeitiges nebeneinander: der tradierte Volksglaube an die Kraft von Mythen und Magie neben den Errungenschaften moderner Technik, die telepathischen Fähigkeiten der Geister neben den telekommunikativen des Mobiltelefons, das bescheidene Leben der Masse neben den Privilegien der weißen Kenianer in ihren einmauerten Villen. Das unmittelbare Eintauchen in diese Welten macht die Authentizität des Films aus, im Unterschied zu den vielen westlichen Produktionen, denen die afrikanische Kulisse nur als pittoreskes Setting dient.

»Soul Boy« verknüpft mit leichter Hand und optimistischem Blick viele Genres: Er ist Abenteuer- und Märchenfilm, Roadmovie und Ethnostudie – und nebenbei ein Film über die Wirrnisse der ersten Liebe.

Meinung zum Thema

Kommentare

ich finde den Film sehr interessant und schaue ihn sehr oft an. Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen und ich empfehle ihn allen...Alles Gute!

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