Kritik zu Sky – Der Himmel in mir

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In ihrem dritten gemeinsamen Film schickt Regisseurin Fabienne Berthaud ihre Muse Diane Kruger auf einen Selbstfindungstrip in den Wilden Westen

Bewertung: 3
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4 (Stimmen: 1)

Das Essen dort geht ja gar nicht, aber dennoch lieben französische Regisseure den Wilden Westen. In »Valley Of Love« versuchten zuletzt Gérard Depardieu und Isabelle Huppert im Death Valley die Lösung eines Rätsels zu finden; nun ist es Diane Kruger als unglückliche Französin, die es in die Wüste von Nevada zieht. Anfangs ist Romy mit ihrem Mann im Cabrio unterwegs. Doch ihre kriselnde Ehe findet in diesem Ferientrip ein plötzliches Ende. Nach vermeintlich tödlichen Handgreiflichkeiten flüchtet Romy und fühlt sich zwei Tage lang als Outlaw. Als sich die wahre Sachlage herausstellt, ist sie unvermittelt frei von allen Fesseln. Frei, durch die Gegend zu vagabundieren, sich treiben zu lassen: Romys jubelndes Glücksgefühl ähnelt der Euphorie von »Thelma & Louise«. Und ja, »Sky« ist ein Frauenfilm, der trotz der dämlichen Titelergänzung »Der Himmel in mir« nichts mit einem Nicholas-Sparks-Melodram gemein hat – und der trotz all seiner psychologischen Ungereimtheiten seinen Namen verdient.

Paradoxerweise erinnert das Roadmovie einerseits an Wüstenfilme wie etwa »Out of Rosenheim«, mäandert aber andererseits in gänzlich unvorhersehbare Richtungen. Der Westen ist hier im Sinne von Jean Baudrillards Essay »Amérique« ein Raum jenseits zivilisatorischer Konventionen, ein Ort der Entgrenzung zwischen Traum und Realität. Las Vegas, wo Romy zunächst haltmacht, erscheint als surreales Shangri-La. Im Bunny-Kostüm versucht sie, ein paar Dollars zu verdienen und begegnet einem einsamen Cowboy an der Slotmachine. Diego zieht es vor, sie für eine Hure zu halten, um sich emotionale Scherereien zu ersparen. Sie folgt ihm trotzdem in sein Kaff nach und versucht, sich in seinem Leben einzunisten. Doch Regisseurin Fabienne Berthaud, die zum dritten Mal mit Diane Kruger dreht, lotst ihre Heldin auf ihrem Weg der Selbstfindung nicht in die Sackgasse eines konventionellen Happy End.

Natürlich ist diese Sicht auf den Westen voller romantischer europäischer Projektionen. Kunstlose Barackenarchitektur wirkt exotisch, eine Trash-Existenz am Rande der Gesellschaft wird zu Nonkonformismus umgedeutet; ein Zausel, den man unter anderen Umständen nicht mit der Beißzange anfassen würde, gewinnt tragische Größe. Und Indianer wissen sowieso Bescheid. Andererseits sind Norman Reedus (»The Walk­ing Dead«) als schweigsamer Diego und Hipster-Ikone Lena Dunham als neurotische Trailerpark-Bewohnerin für sich allein Hingucker. Von einer Anekdote zur nächsten und inmitten der atmosphärischen Bilder – gedreht wurde meist im Nationalpark Jo­sh­ua­ Tree – erscheint Diane Kruger als unbefangene, anmutige Alice im Wunderland, der man gern zuschaut. Wenn Berthaud ihre Muse, die sie auch in ihren vorhergehenden Filmen auf Selbstfindungsodyssee schickte, als ihre »Gena Rowlands« bezeichnet, wirkt das übertrieben. Doch Kruger entwickelt in dieser sphinxhaften Rolle tatsächlich ein Charisma, das diesen merkwürdigen kleinen Film über manche Unstimmigkeit hinweg trägt.

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