HBO Max: »Heated Rivalry«

»Heated Rivalry« (Serie, 2026). © Sabrina Lantos/HBO Max

© Sabrina Lantos/HBO Max

Die heimliche Liebe zwischen zwei Profi-Eishockeyspielern avancierte in den USA zum absoluten Hype. Nun ist die kanadische Serie auch auf HBO Max in Deutschland zu sehen

»Was wäre, wenn ich später vor deinem Hotelzimmer stände?«, fragt Ilya Rozanov (Connor Storrie), Starspieler einer US-Profi-Eishockeymannschaft, nach dem Spiel in der Umkleidekabine seinen kanadischen Gegenspieler Shane Hollander (Hudson Williams). »Ich würde vielleicht öffnen …«, antwortet der. »Dann klopfe ich vielleicht«, sagt Rozanov. Dass das Muskelpaket bei dem folgenschweren Dialog nur ein knapp sitzendes Lendenhandtuch trägt, erleichtert die Entscheidung für Hollander etwas. Für das Publikum ebenfalls: Da läuft was. Aber hallo.

Die körperliche Anziehung zwischen zwei offiziell heterosexuellen Eishockeyprofis, die nicht nur gegen das teilweise toxisch-maskuline Sportumfeld, sondern – im Falle vom aus Russland stammenden Rozanov – gegen ein ganzes homophobes Gesellschaftsbild ankämpfen, erhitzt sowohl sportlich als auch (homo)erotisch interessierte Gemüter. »Heated Rivalry« gewann an Beliebtheit, nachdem die Serie von einem kleineren kanadischen Streamingportal dank Zuschauerinitiativen ans große HBO Max verkauft, sogleich von unzähligen Fans auf Social Media geliebt, geshippt, geteilt und weitergesponnen und schließlich von analogen Medien aufgenommen wurde. Die beiden bis dato unbekannten Hauptdarsteller Storrie und Williams trugen jüngst eine Etappe lang die olympische Fackel für die Winterspiele in Italien – ein Zeichen für die gesellschaftliche Wirkung des queeren Dramas, dessen Ausstrahlung in den USA laut Serienmacher schon einige Profisportler zu ihrem eigenen Outing ermutigt hat. »Heated Rivalry« wird sogar in Russland geschaut, natürlich heimlich.

Die Begeisterung für die Liebesgeschichte der Sportrivalen ist verständlich: Regisseur und Showrunner Jacob Tierney unterzieht die Sehnsucht in seiner Inszenierung einem leidenschaftlichen queer gaze. Unter Jugendschutzkriterien größtenteils harmlos genug für 16-Jährige, zeigt sie keine wirklich expliziten Szenen, aber implizite schwule Leidenschaft und Lust inklusive passender Techniken, viel Schenkelschweiß und jeder Menge (schon sportlich bedingt) knackig-muskulöser Kehrseiten. Die beiden Hauptdarsteller brennen exakt in dem Maße, wie ihre Charaktere es verlangen; dass Storrie dabei sprachlich einen astreinen Russen abgibt und man Williams buchstäblich beim Erröten zuschauen kann, wenn sein designierter Liebhaber ihm mal wieder eine unanständige Nine-Inches-SMS gesextet hat, macht die sechs Folgen zu einem bezaubernden Liebesmärchen.

Nebenbei beschreibt die Erzählung den Sportalltag mit Sponsorengeschacher und observativer Sportpresse und berührt dabei zart, aber bestimmt die bedrohlichen und unmenschlichen Hintergründe der Situation: Rozanovs kultureller Background würde ihm nach einem Outing eine Rückkehr zum strengen Vater im queerfeindlichen Russland vereiteln, und auch Hollander, dessen japanische Mutter ihm immer wieder sein »Anderssein« in der weißen Gesellschaft vor Augen führt, fürchtet um seine hart erkämpfte Karriere.

Dass das Leben eines Sportprofis überdies fast ausschließlich aus Training und Wettkampf besteht, macht die flammende Romanze noch feuriger – irgendwann wünscht man sich Liebesbekundung und Vereinigung ebenso sehnlichst wie Hollander, dessen körperliche Zugeknöpftheit ihn zwar zum schüchterneren Part macht, der aber dennoch den direkteren Draht zu seinen Gefühlen hat. Bis der äußerlich hartgesottene, kaltschnäuzige Rozanov endlich das Wagnis der Wahrheit ansteuert, muss einiges an Wettkampfsaisons, Spielen und Rückspielen absolviert werden. »Du hast es verdient, in die Sonne zu gehen«, drückt es eine russische Vertraute Rozanovs irgendwann poetisch aus, »und dein Freund auch.« Selbst wenn die Story etwas ins Kitschige schlittert, etwa in einer Discoszene, in der sich die beiden wiedersehen, ist das hübsch subtiler Kitsch: Der Hit »All the Things She Said« der russischen Frauenband t.A.T.u. morpht im Hintergrund plötzlich passend in eine Version, die von einer Männerstimme gesungen wird.

Die zugrundeliegenden Romane, die von den Schicksalen weiterer schwuler Sportler erzählen, unter anderem des Captains des New Yorker Teams, wurden nach Eigenangabe von der kanadischen Eishockeyliebhaberin Rachel Reid geschrieben, um die Homophobie in ihrem Lieblingssport zu thematisieren. Mit der Hilfe der queeren Regie ist eine Serie gelungen, die nicht nur die bewährte Allianz aus gern Athletenkörper betrachtenden schwulen Männern und Heterofrauen, sondern alle Menschen ansprechen könnte, ob queer oder hetero, ob Sportfan oder nicht. Sehnsucht ist schließlich ein universales Gefühl.

OV-Trailer

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