Kritik zu Saphirblau

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Das Nachfolgewerk zu Rubinrot nach der Romantrilogie von Kerstin Gier zappt auf der Suche nach originellen Schauwerten unfokussiert durch die Jahrhunderte, ohne dabei den notwendigen narrativen Sog entwickeln zu können

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Als zeitreisender Kavalier hat man viele Möglichkeiten, die Frau seines Herzens zu beeindrucken. Und so beginnt Saphirblau mit einem Trip in eine Londoner Spelunke des Jahres 1609, wo ein Dichter gerade die neuesten Ergebnisse seiner Versschmiedekunst deklamiert. »Shakespeare«, haucht Lucy (Josefine Preuß) ihrem Begleiter dankbar für die gelungene Überraschung ins Ohr und fügt für die, denen der Name nicht so geläufig ist, hinzu: »Ich möchte wetten, dass er gerade an Romeo und Julia schreibt.« Aber die romantische Stimmung ist schon bald wieder ruiniert, als sich ein paar Tische weiter ein Dolch in das Herz eines Mannes bohrt und der finstere Graf von St. Germain (Peter Simonischek) mit hochgeschlagener Kapuze die Szenerie verlässt.

Mit dieser Eröffnungssequenz ist das Format gesetzt, in dem sich Saphirblau in den nächsten 116 Kinominuten bewegt. Das Folgewerk von Rubinrot nach der Romantrilogie von Kerstin Gier arbeitet mit einem übersichtlichen Erzählrhythmus, in dem die romantische Entwicklung immer wieder durch Actioneinlagen, Geheimniskrämerei, Zeitreisestress und Weltenrettungspflichten unterbrochen wird. Im ersten Teil hatte Felix Fuchssteiner alle Hände voll damit zu tun, das komplexe Zeitreiseprozedere und den Verschwörungsplot um eine elitäre Loge, die mittels eines Chronographen die Weltherrschaft an sich reißen will, zu erklären. Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen der Zeitreisenden wider Willen Gwendolyn (Maria Ehrich) und dem schmucken, arroganten Gideon (Jannis Niewöhner) wurde da eher en passant verhandelt. In Saphirblau sind die beiden nun endlich ein Paar, was bald auch durch eine verschämte FSK-6-Sexszene belegt wird. Aber ob Gwendolyn dem Geliebten, der fest ins Machtgefüge der Loge eingebunden ist, wirklich über den Weg trauen kann, bleibt ungewiss. Die Vertrauensfrage, die sich in einer ersten Liebe besonders deutlich stellt, wird in Saphirblau auf sehr erschöpfende Weise durchdekliniert.

Es gelingt dem Film allerdings nicht, der nagenden romantischen Ungewissheit die notwendige emotionale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dazu fehlt es den beiden Hauptfiguren erheblich an dramatischer Tiefe und dem Plot an Konzentrationsvermögen. Unfokussiert zappt sich die Zeitreisegeschichte auf der Suche nach originellen Schauwerten durch die Jahrhunderte, ohne dabei den notwendigen narrativen Sog entwickeln zu können. Im Vergleich zu Die Tribute von Panem oder zuletzt Die Bestimmung fehlt es diesem in Deutschland produziertem »Young Adult«-Franchise deutlich an Substanz und Subtext. In fast jeder Szene spürt man, dass diesem Zeitreisespektakel die nötigen finanziellen und künstlerischen Ressourcen fehlten. Es passiert einem ja selten, dass man sich die Hollywoodversion dessen, was man gerade auf der Leinwand sieht, herbeiwünscht, aber in Saphirblau ist diese Sehnsucht ein ständiger Begleiter.

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