Kritik zu On the Rumba River

OmeU © Verleih

2006
Original-Titel: 
On the Rumba River
Filmstart in Deutschland: 
05.03.2009
L: 
86 Min
FSK: 
12

Die Geschichte des Kongos, gespiegelt in einem Künstlerleben: Jacques Sarasin porträtiert den Musiker Antoine Kolosoy, genannt »Papa Wendo«

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Belgisch Kongo, Zaire und Demokratische Republik Kongo – der mehr als 80-jährige Musiker Antoine Kolosoy, genannt »Papa Wendo«, hat all die Wandlungen seines zerrütteten Landes seit den Zeiten des Kolonialismus miterlebt und miterlitten. Wendo, hierzulande kaum bekannt, wurde mit seinem Song »Marie-Louise« (1948) im Kongo zur Legende, es gab sogar schulfrei für seine Konzerte. Von belgischen Priestern exkommuniziert, weil seine Musik angeblich Tote zum Leben erwecken konnte, von Diktator Mobutu wegen karibischer Elemente in seinen Rhythmen als »unafrikanisch« verboten, schlug er sich jahrelang mit allerlei Tätigkeiten, unter anderem als Boxer, durch und lebt nun als alter Mann am Rande des Existenzminimums.

Hier setzt der Dokumentarfilm von Jacques Sarasin dramaturgisch an: Wendos Frau nämlich nötigt ihn, endlich wieder Geld nach Hause zu bringen, und Wendo macht sich auf den Weg durch Kinshasa, um seine Mitspieler von einst zu reaktivieren. Musikalisches Ergebnis dieser Reunion sind wunderbare Hinterhof- Jamsessions mit eingängigen Melodien und Rhythmen, auf nicht alltäglichen Instrumenten gespielt, etwa einem umgedrehten Plastikstuhl oder einem Daumenpiano, das Wendos Kollege Antoine Moundanda meisterhaft beherrscht. Jacques Sarasin, zuvor mit einer Dokumentation über den afrikanischen Weltmusik-Gitarristen Boubacar Traore hervorgetreten (Je chanterai pour tois, 2002), inszeniert die Auftritte der Musiker in sorgfältig ausgeleuchteten Nahaufnahmen, die jede Schweißperle auf den Gesichtern der alten Herren blitzen lassen. Unterbrochen sind diese mitreißenden Sequenzen von Interviews mit Wendo und seinen Freunden, die ihn beinahe wie einen Guru verehren.

On the Rumba River könnte ein Feelgoodmovie sein, ein kongolesischer Buena Vista Social Club, wären da nicht die Bilder von den Zerstörungen des endlosen Bürgerkriegs, den kaputten Straßen und menschenunwürdigen Behausungen. »Wir haben die Unabhängigkeit erhalten, aber wir töten uns nur gegenseitig . . . Wie unglaublich trostlos!«, sagt Papa Wendo am Ende und schaut auf den Hafen von Kinshasa mit seinen verrotteten Schiffen. R

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