Kritik zu Renoir

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Gilles Bourdos hat eine Pastorale gedreht über die letzten Jahre des Malers Auguste Renoir, die der Schwerkranke in Les Collettes, einem Anwesen in Cagnes bei Nizza, und der Gesellschaft vieler Frauen verbrachte

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Das letzte Kapitel in Jean Renoirs Familien- Biografie »Mein Vater Auguste Renoir« ist dem traumhaften Anwesen Les Collettes in Cagnes an der Côte d’Azur gewidmet. Dort ist als Erstes zu lesen: »Die Geschichte von Cagnes und Renoir ist eine Liebesgeschichte, und wie alle Geschichten Renoirs enthält sie keine besonderen Ereignisse.« Der Film »Renoir« ist jedoch vom ersten Bild an bemüht, diesen Satz vom Kopf auf die Füße zu stellen. Auf denen steht der lange von einer schweren Arthritis geplagte und im Rollstuhl lebende Maler Renoir (im Film) allerdings nur zwei kurze Versuche lang. Um die Authentizität der Filmschilderungen sollte man sich deshalb´weniger Gedanken machen. Er feiert den großen Impressionisten Auguste Renoir und verbirgt schuldbewusst, dass dieser zu Lebzeit keine uneingeschränkte Bewunderung genoss. Sein grandioses Bild »Die großen Badenden« lehnte der Louvre wegen seiner »schreienden Farben« zunächst ab.

Aber zurück zum Anfang und einem schönen Sommertag im Süden und zu der jungen, rothaarigen Frau, die sich zielsicher auf dem Fahrrad dem Renoirschen Anwesen nähert und sich mit der Behauptung hineinmogelt, Madame Renoir hätte sie geschickt. Doch Madame Renoir, die Mutter der drei Renoir-Söhne, war inzwischen verstorben. Eine trauernde Frauenschar umsorgte seither den Schwerkranken Tag und Nacht. Renoir und die Frauen – so hätte der Film auch heißen können. Zu ihnen gesellt sich nun die kleine Andrée, die spätere Catherine Hessling, die in den frühen Filmen ihres Mannes Jean Renoir die Hauptrolle spielen sollte. Im Film von Gilles Bourdos spielt sie bald die erste Geige in Renoirs Atelier; ihr, so der Film, verdanke der große Maler seine letzte Blütezeit, seinen Altersstil mit den sonnendurchfluteten, transparenten Bildern. Die Lichtreflexe der Haut einer Rothaarigen und die Unbekümmertheit eines jungen Mädchens – ideal besetzt mit Christa Theret – haben da zweifellos ihre Spuren hinterlassen.

Der ansonsten ereignisarme Film kann sich auf die betörende Landschaft und den strahlenden Himmel verlassen, unter dem Renoirs Frauen den Künstler auf einem Stuhl oder auf bloßen Händen zu seinen Lieblingsplätzen zum Malen tragen. Genrebilder aus südlichen Gefilden, Pastoralen, die nur von den prominent platzierten Aussagen des alten Renoir durchkreuzt werden, der seine Lebensphilosophie vom Korken in der Strömung, von der man sich durchs Leben treiben lassen solle, zum Besten geben darf – und von den beiden Söhnen, dem noch kleinen Claude und dem schwer kriegsverletzten Jean, der sein Bein behielt, aber sein Leben lang leicht hinken sollte. Die Anbahnung der Liebesgeschichte mit der nicht ohne Berechnung agierenden Andrée bezeugt vor allem, wie lebensfern diese Jungen, die alle Künstler werden sollten, unter dem Malerpatriarchen im Schatten des Krieges aufgewachsen sind. Im flirrenden Licht des Südens verliert auch der schrecklichste Krieg an Gewicht – aber darum geht es dem Film letztlich auch nicht. Sondern um eine Hommage an den großen Farbmaler Renoir und an die Frauen, ohne die es den Impressionismus vielleicht so nicht gegeben hätte.

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