Kritik zu Reich des Bösen – Fünf Leben im Iran

© mîtosfilm

2007
Original-Titel: 
Reich des Bösen – Fünf Leben im Iran
Filmstart in Deutschland: 
29.01.2009
M: 
L: 
90 Min
FSK: 
12

Der im Iran geborene junge Hamburger Regisseur Mohammad Farokhmanesh will den vorurteilsbeschwerten Sichtweisen auf seine Heimat etwas entgegensetzen und stellt in seinem Dokfilm fünf »ganz normale« Menschen in Teheran vor

Bewertung: 3
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Eine junge Fechterin, die mit ihrem Freund in die USA auswandern möchte. Abbas, der in seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung für die Freunde Filme auf dem Computer schneidet und außerdem Mitglied der paramilitärischen Bajidschi-Miliz ist. Ein Imam und Englischlehrer, der neben der Predigt in der Moschee auch als Radioprediger seine sanft-frömmlerische Botschaft verkündet. Mahtab, die Sängerin werden will in einem Land, das Frauen öffentliche Auftritte verbietet. Und Golsa, die kleine Tochter einer offensichtlich sehr reichen Familie, die zwischen internationalem Kindergarten und Abendgebet am Kellerpool mit Oma Discotanz lernt.

Der im Iran geborene junge Hamburger Regisseur Mohammad Farokhmanesh hat diese fünf zusammengebracht für seinen Film, weil er es satthatte, das Bild des Iran selbst bei wohlmeinenden deutschen Freunden immer wieder nur auf islamistische Horrorgeschichten reduziert zu sehen. Da hilft nur die Aufklärung durch eigene Anschauung, meinte Farokhmanesh, und hat sich selbst mit der Kamera auf den Weg in sein Heimatland gemacht. Ziel: das ganz normale Alltagsleben in all seiner Widersprüchlichkeit festzuhalten, gefiltert natürlich durch sein ureigenes Erzählinteresse. Denn die Protagonisten von Farokhmaneshs Film sind selbstverständlich so sorgfältig gecastet wie die meisten anderen Dokumentarfilmhelden auch.

Wie jeder Dokumentarfilm zeigt uns auch dieser neben der fremden Welt im Spiegel eigentlich uns selbst. Nur dass es Farokhmaneshs Helden unendlich schwerer haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Am Ende treffen sie sich alle an einem Aussichtspunkt hoch über den Häusermassen der Millionenstadt, wo besonders die jungen Frauen unverblümt ihren Unmut über die vom Regime auferlegten Beschränkungen äußern. Freier Blick und frischer Wind machen hier Hoffnung auf Veränderung. Unrealistisch ist die nicht: Denn sozialen Stillstand kann sich auch der Iran nicht leisten.

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