Kritik zu The Peanut Butter Falcon

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Ein flüchtiger Kleingauner und ein junger Mann mit Down Syndrom begeben sich in diesem hoch gelobten Independent-Film auf einen Trip durch die amerikanischen Südstaaten

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Von der Komödie bis zum Cop-Movie sind ungleiche Paare ein uraltes Motiv des Kinos, das immer wieder überraschend gut funktioniert. Spießer und Spaßvogel, Yuppie und Landei, schwarz und weiß – da sind dramaturgisch ergiebige Reibungspunkte quasi eingebaut. Eine weitere Dimension bekommt das Ganze, wenn die Unterschiede die mentalen Fähigkeiten betreffen: Man denke an »Rain Man« oder Jaco von Dormaels »Am achten Tag«, über die sinnstiftende Reise eines Bankmanagers und ­eines jungen Manns mit Down Syndrom.

Dormaels heute fast vergessener Publikumsdarling dürfte ein Vorbild für »Peanut Butter Falcon« gewesen sein. Es geht darin um Zak (Zack Gottsagen), einen Mann mit Down Syndrom, der aus einem Pflegeheim in North Carolina türmt, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: Den Besuch der Wrestlingschule. Kurz nach seinem Ausbruch landet er als blinder Passagier im Boot des illegalen Krabbenfischers Tyler (Shia LaBeouf), der sich ebenfalls auf der Flucht vor ein paar rachsüchtigen Rivalen befindet. Zunächst will Tyler den ungebetenen Mitfahrer schnellstmöglich loswerden. Natürlich kommt es anders, und Tyler beschließt, seinen neuen Kumpel ans Ziel zu bringen. Bald stößt noch Zaks einfühlsame Pflegerin Eleanore (Dakota Johnson) zu dem Duo.

Dieser Roadtrip einer Art Patchwork-Familie zur Erfüllung eines skurrilen Traums vom Ruhm erinnert nicht zufällig an »Little Miss Sunshine«, denn hinter beiden Filmen stecken die gleichen Produzenten. Zugleich sind Zak und Tyler unschwer als Wiedergänger von Huck Finn und seinem Freund Jim erkennbar – zwei Außenseiter auf der Flucht, unterwegs auf einem Floß durch die sumpfig-schwülen Südstaaten.

Anders als bei Mark Twain sind die Erlebnisse des ungleichen Gespanns jedoch nicht wirklich originell, sondern ziemlich vorhersehbar, und ein wenig mehr Mut zur Schärfe hätte dem Drehbuch gut getan. Aber die wilde Mischung an Vorbildern, die stimmungsvolle Kameraarbeit von Nigel Bluck (»True Detective«) und das leichtfüßige Zusammenspiel von LaBoeuf und Gottsagen verleihen dem Film eine Atmosphäre zwischen Märchenhaftigkeit und poetischem Realismus, der man sich kaum entziehen kann. Die wachsende Verbundenheit zwischen dem sanften Zak und dem sich raubeinig gebenden Tyler wirkt wahrhaftig, beide sind auf ihre Weise »kindliche« Misfits, die sich gegenseitig Halt geben. Es gibt anrührende Momente, die nicht ins Rührselige kippen, und was der Story an Tiefe fehlt, wird durch das gewichtige Ensemble ausgeglichen: Selbst kleine Rollen sind mit großen Schauspielern wie Bruce Dern, Thomas ­Haden Church und John Hawkes besetzt.

Allein zum großen Finale kippt die Nettigkeit in Kitsch, wirkt die Harmoniesucht der Inszenierung verlogen und abgeschmackt. Sogar die einzige tragische Wendung erweist ich als inszenatorischer Schwindel, damit Trauer sich in Freudentränen verwandeln kann. Es ist eben nur ein schmaler Grat, zwischen authentischer Magie und manipulativer Masche.

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