Kritik zu Paris um jeden Preis

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Als Regisseurin und Hauptdarstellerin mit tunesischen Wurzeln lotet Reem Kherici in ihrem Regiedebüt den Clash der Kulturen zwischen Pariser Modeszene und marokkanischem Landleben aus

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Langsam nähert sich die Kamera einem riesigen Schuhregal, das gut in einem Designerschuhladen stehen könnte. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um den privaten Schuhbestand von Maya, deren Pariser Wohnung einem überdimensionalen Kleiderschrank gleicht. Mit elegantem Schwung biegt die Kamera um die Ecke, wo das zierliche Persönchen in der vergangenen Nacht in vollem Ausgeh-Outfit auf ihrem Bett kollabiert ist. Kaum dass sie schließlich viel zu spät erwacht, verfällt sie in hektischen Styling-Aktionismus. Als sie dann allerdings im Modeatelier ihres Arbeitgebers anrauscht, scheinen neben dem nichtigen Tratsch unter Kolleginnen keinerlei dringende Geschäfte anzustehen. So ist es immer wieder in diesem Film: viel heiße Luft um nichts als Oberflächen.

Dafür dass Regisseurin und Hauptdarstellerin Reem Kherici (die bisher nur in kleineren Rollen, unter anderem als Gegenspielerin von Jean Dujardins Agent »OSS 117«, zu sehen war) die Geschichte aus ihren eigenen Erfahrungen destilliert hat, ist das Ganze erstaunlich albern und scherenschnittartig geraten. Die eigene italienisch-tunesische Abstammung hat sie im Film in marokkanische Wurzeln verwandelt, und man kann davon ausgehen, dass ihr angespanntes Verhältnis mit ihrem Vater ganz ähnliche Ursachen hat wie das von Maya im Film.

Jäh wird das It-Girl Maya aus ihrem hyperaktiv hippen Fashionista-Alltag mit Gala-Events und angesagten Nachtlokalen herauskatapultiert, als sie eines Nachts in eine Polizeikontrolle gerät und daraufhin wegen ihres längst abgelaufenen Visums prompt nach Marokko abgeschoben wird. Natürlich gibt es keinen Zweifel, dass der Clash der Kulturen einen heilsamen Schock für sie bereithält, auch wenn sie sich anfangs noch so sehr gegen ihre ungeliebte Herkunft stemmen mag. Und natürlich ist das ungeliebte Fremde ein Teil von ihr, in dem sie am Ende unvermeidlich die zündende Idee für den Kleiderentwurf finden wird, der ihr eine Festanstellung im Modehaus bescheren soll.

Leider sind die Widersprüche zwischen der kalten, glitzernden Metropole und der warmen Patina des Verfalls auf dem Land meist recht platt illustriert, wenn Maya beispielsweise in ultrahohen High Heels über einen steinigen staubigen Landweg stolpert. Einmal in Marokko angekommen, holt der Film immerhin erst mal tief Luft, klinkt sich aus dem hektischen Pariser Alltag aus, um sich in einen kontemplativeren Rhythmus fallen zu lassen. Und wenn Maya von ihrer Großmutter in eine riesige Lederfärberei geführt wird, mit schweren Holzbottichen mit unterschiedlichen Farbtunken, dann schimmert einen Moment lang Sinnlichkeit auf. Wenn sie sich dann von den Dünen zum Faltenwurf eines Kleides inspirieren lässt und aus den heimischen Lederressourcen schöpft, illustriert das jedoch vor allem die vampirische Ausbeutung fremder Kulturen im Ethnolook der Mode.

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