Kritik zu Paranormal Activity

© Wild Bunch/Central Film

2007
Original-Titel: 
Paranormal Activity
Filmstart in Deutschland: 
24.12.2009
Sch: 
L: 
88 Min
FSK: 
16

Die Geister, die die Schlaflosigkeit gebiert: Nachdem ihn unerklärliche Geräusche in seinem neuen Haus nächtelang wachhielten, kam der Regieneuling Oren Peli auf die Idee, daraus einen Horrorfilm zu machen

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Fürwahr, es gehört einige Kühnheit dazu, als Filmemacher derart ausdauernd mit der Langeweile zu kalkulieren. Denn wie lang trägt schon die Erwartung den Spannungsbogen eines Horrorfilms? Zunächst geschieht kaum mehr, als dass sich eine Schlafzimmertür wie von Geisterhand bewegt. Die dämonische Präsenz, die den Schlaf und später die Seelenruhe des jungen Paares in ihrem neuen Haus in San Diego bedroht, nimmt sich Zeit, bis sie sich rabiater manifestiert.

Micah (Micah Sloat) hat eine Videokamera installiert, die über seine Nachtruhe und die seiner Freundin Katie (Katie Featherston) wachen soll. Ihr Blickwinkel gibt streng die Perspektive der Erzählung vor. Während sie halbwegs an das Okkulte glaubt, ist er ein Agnostiker, der eine rationale Erklärung zu finden sucht für die rätselhaften Dinge, die sich nachts bei ihnen zutragen: Sie soll ihre Einbildungen entkräften. Aber manche Ereignisse lassen sich nicht dadurch bannen, dass sie aufgezeichnet werden. Ein erster Riss geht durch die Beziehung der beiden; so viel hat der Dämon schon erreicht.

Dass das Publikum trotz demonstrativer Ereignislosigkeit bei der Stange bleibt, ist wesentlich der Graswurzel-Anmutung des Films von Oren Peli geschuldet. Wie ein Homemovie ist »Paranormal Activity« gedreht, schürt einen Traum kinematographischer Selbstermächtigung, den wohl etliche seiner Zuschauer hegen. Mit einem Team von drei Technikern hat Peli, der zuvor als Börsenmakler arbeitete und dann Videospiele entwickelte, in seinem eigenen Haus in sieben Tagen gedreht; die Angaben zum Budget schwanken zwischen 10.000 und 15.000 Dollar. Der Film gibt sich den Anschein, found footage zu sein. Smart schillert er zwischen einer Zukunft des Kinos, die er proklamieren könnte, und dessen Vergangenheit und Wurzeln: In seiner unbedingten, digitalen Gegenwärtigkeit knüpft er an die literarische Tradition des aufgefundenen Erlebnisberichts an, bei dem sich die Fiktion als vertrauenswürdiges Dokument zu erkennen geben will.

Weit über 100 Millionen Dollar hat Pelis Regiedebüt bereits in Nordamerika eingespielt; auch angesichts der 300.000 Dollar, die Paramount (angeblich auf Anraten Steven Spielbergs, der allerdings auf einer Änderung des Schlusses bestand) für die Rechte bezahlt hat, dürfte es der profitabelste Film dieses Jahrzehnts sein – zumindest aber ein Triumph des Marketings.

Mit der Ökonomie hat es freilich noch eine andere, erzählerische Bewandtnis. »Paranormal Activity« ist reine Immanenz, nichts in ihm weist über die Handlung hinaus. Eine Reflexion über die Beziehung von Territorium und Bedrohung bleibt dem Zuschauer ebenso erspart wie die quälende Autopsie einer Beziehung. Er eröffnet keinen neuen Resonanzraum für das Genre und seine Rezeption. Im Gedächtnis hinterlässt er wenige Bilder, die seine Zuschauer fortan heimsuchen werden. Seine Wirkung ist bestens aufgehoben in dem kurzatmigen Aufsehen, das er im Netz auslöste, auslösen sollte. Das Schicksal von »The Blair Witch Project«, nurmehr ein Strohfeuer zu sein, wird er indes nicht teilen: Diese Visitenkarte, die ihren Ehrgeiz geschickt tarnt, hat dem Regisseur immerhin die Chance eröffnet, ein neues Projekt zu realisieren, dessen Titel bei Science-Fiction-Fans einen mythischen Klang hat: »Area 51«.

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