Kritik zu Pacific Rim

© Warner Bros.

In Guillermo del Toros Beitrag zum Sommmerkino bedrohen aus dem Pazifik auftauchende Riesenmonster die Menschheit. Zur Abwehr werden gewaltige Kampfroboter, die »Jaeger«, gebaut. Die Schlacht von Hightech gegen archaische Monster beginnt . . .

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Der mit Genreperlen wie Hellboy und Pans Labyrinth bekannt gewordene mexikanische Regisseur Guillermo del Toro versteht es wie kein anderer, aus B-Filmstoffen beeindruckende A-Blockbuster zu zaubern.´Um die unstillbare Lust der Alptraumfabrik am Weltuntergang zu stillen, greift del Toro für Pacific Rim Motive des in den 60er und 70er Jahren weltweit populären Kaiju Eiga, des japanischen Monsterfilms, auf. Auch wenn die Bezeichnung Kaiju in Japan eher für riesenhafte Tiere oder mythologische Fabelwesen wie Godzilla steht, wird das Wort in der westlichen Popkultur mit »Monster« übersetzt. Die alten Dai Kaiju, die Riesenmonster, wurden stets von tapferen Schauspielern in Latexkostümen dargestellt, die durch Miniaturkulissen tobten und gegen Spielzeugpanzer kämpften. Bei del Toro nun sind die Kaiju, die aus dem titelgebenden Unterseegraben hervorkrabbeln, digital am Computer animierte Kreaturen. In dem auf 180 Millionen US-Dollar Produktionskosten geschätzten 3D-Schlachtengemälde bekommen es die fantasievollen Kaiju nun mit Robotern zu tun, deren stilistische Vorfahren irgendwo zwischen den auch aus Japan stammenden Transformers und der amerikanischen Superwaffe Iron Man zu verorten sind.

Bevölkert ist del Toros kompaktes Universum mit liebevoll charakterisierten B-Film-Figuren. Da haben wir den jungen tapferen amerikanischen Jaeger-Piloten Raleigh Becket (Charlie Hunnam), der beim Monsterkampf seinen besten Kameraden verloren hat. Da ist die in Kindertagen durch einen Kaiju-Angriff traumatisierte zierliche Japanerin Mako Mori (Rinko Kikuchi), die zu Beckets taffer Kopilotin wird. Wenn sie die imposanten Kaiju mit Schiffen beschmeißen und die mit ihren fluoreszierenden schleimigen Tentakeln in Hochhäuser krachen, wirkt das verblüffend real und bedrohlich. Aber gegen den sympathischnaiven Charme, den die traditionellen Gummimonster aus Japan versprühten, kommen die digitalen Biester aus Hollywood nicht an. Mit dem drolligen Godzilla, der genüsslich auf einer Modelleisenbahn herumkaut, konnte man sich als junger Zuschauer leicht identifizieren. Vor den neuen Digi-Kaiju muss man plötzlich Angst haben. Auch fehlt es del Toros Kaiju an einen ernsthaften Hintergrund. Japanische Kaiju waren schon immer Barometer japanischer Befindlichkeiten. Auf den Schultern der fabelhaften Giganten konnten nationale Traumata wie die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki abgeladen werden. Im Kaiju Eiga schwappten schon in den 80er Jahren Monsterwellen über japanische Atomkraftwerke. Pacific Rim verneigt sich vor dieser Tradition, verzichtet aber auf jeden offensichtlichen politischen Subtext. Del Toro begnügt sich mit Genrezitaten in tricktechnischer Perfektion. Sein unterhaltsames Spektakel wird nicht der einzige Kaiju-Film der Produktionsfirma Legendary Pictures bleiben. Derzeit realisiert der britische Filmemacher Gareth Edwards (Monsters) ein erneutes US-Remake von Godzilla, das im Mai 2014 anlaufen soll. Man darf gespannt sein, ob die atomare Riesenechse durch Radioaktivität aus Fukushima wiederbelebt wird

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