Kritik zu Out of Play – Der Weg zurück

© Warner Bros. Pictures

Gavin O'Connors Sportdrama ist verzeihlich vorhersehbar – vor allem wegen eines hervorragenden Ben Affleck in der Hauptrolle

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Nichts, aber auch gar nichts wird in Sportfilmen so gern erzählt wie Geschichten von Comebacks und Wiedergutmachung. So sehr gehört dieses Narrativ dazu, dass die Verantwortlichen sich mitunter nicht mal die Mühe machen, Spannung zu erzeugen, sondern schon im Titel mit der Tür ins Haus fallen. So wie nun bei »Out of Play – Der Weg zurück«: Der Name ist, was den Plot angeht, Programm (übrigens auch im Original: »The Way Back«).

Es ist also keine Überraschung, wie Jack Cunningham (Ben Affleck) reagiert, als ihm angeboten wird, an seiner einstigen Highschool das bislang eher mittelmäßig agierende Basketballteam zu trainieren. Zu seiner Schulzeit war er der Korbwurf-Star, gewann Meisterschaft nach Meisterschaft und stand kurz vor dem Beginn einer großen Sportkarriere. Dazu kam es dann allerdings nicht – Stichwort: Zerwürfnis mit dem Vater – und Jack hat seither keinen Basketball mehr angerührt. 

Was ihn für den Trainerposten womöglich nicht zur Idealbesetzung macht, ist allerdings etwas anderes. Denn Jacks Sohn ist an Krebs gestorben, seine Ehe mit Angela (Janina Gavankar) ist daran zerbrochen und der tragische Verlust noch längst nicht überwunden. Was zur Folge hat, dass er sich immer mehr von Freunden und Verwandtschaft zurückzieht und lieber dem Trinken zuwendet. Jack ist Alkoholiker, und zwar einer der Sorte, die schon mit der Bierdose in der Hand unter der Dusche steht, beim Job auf der Baustelle Wodka im Thermos­becher hat und allabendlich von den Kneipenkumpels nach Hause gebracht werden muss.

Dass sich Jack der neuen Aufgabe trotzdem annimmt, versteht sich von selbst. ­Genauso wie die Tatsache, dass ihm – nachdem anfangs sein Fluchen noch das größte Problem für die streng katholische Schul­leitung ist – die Sache mit dem Alkohol früher oder später um die Ohren fliegen wird. Bis dahin allerdings hat er die anfangs unambitioniert spielenden Teenager bereits auf die Erfolgsspur geführt – und selbst von den Jungs mindestens genauso viel gelernt wie sie von ihm.

Dass der Plot in »Out of Play – Der Weg zurück« vorhersehbar verläuft, ist im Grunde geschenkt. Das gehört in diesem Genre, wie erwähnt, fast dazu. Auch dass das Drehbuch von Brad Ingelsby enorm dick aufträgt, vor allem was das vom Protagonisten zu tragende Päcklein angeht, ist nicht das größte Problem dieses Films. Ebenso wenig wie die reichlich ­naive bis unrealistische Auseinandersetzung mit dem Thema Alkoholismus. Vielmehr scheitert er daran, dass es Regisseur Gavin O'Connor (der Affleck zuletzt auch schon in »The Accountant« inszenierte) nicht vermag, die Geschichte (oder auch nur die Basketballszenen) so mitreißend und inspirierend umzusetzen, wie es vergleichbaren Sportfilmen allen Klischees und aller Durchschaubarkeit zum Trotz gelingen kann.

Dass man nicht vor Langeweile einschläft, liegt letztlich nur an Ben Affleck. Der ist als Schauspieler zwar selten allzu facettenreich oder nuanciert, hier aber ganz in seinem Element. Selbst wenn man seine von ihm hinlänglich öffentlich thematisierten eigenen Erfahrungen mit dem Thema Alkohol nicht mitdenkt, gelingt es ihm erfreulich gut, diesem Pro­tagonisten bei seiner mühevollen Gratwanderung zwischen verkrachter Existenz und erfolgreichem Comeback-Kid eine gewisse Dreidimensionalität zu verleihen. 

Ihm hätte man gewünscht, dass Drehbuch und Regie sich ein bisschen mehr Ambivalenz und Grauzonen trauen würden. Doch die sucht man in »Out of Play – Der Weg zurück« leider bis zu den allerletzten Momenten vergeblich. Erst ganz zum Schluss wird plötzlich mit den Konventionen gebrochen und statt auf einen strahlenden Triumph auf ein bittersüßes offenes Ende gesetzt. Aber da ist es eigentlich schon zu spät.

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