Kritik zu Noch tausend Worte

© Paramount Pictures

2012
Original-Titel: 
A Thousand Words
Filmstart in Deutschland: 
21.06.2012
L: 
91 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ach Eddie: Wird man ihn eines Tages nur noch als schnell sprechenden Esel aus Shrek in Erinnerung behalten? Mit Noch tausend Worte will Murphy offenbar in sein bewährtes Genre zurückkehren

Bewertung: 3
Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

So kennt und liebt man Eddie Murphy: als wortgewaltigen, schnell sprechenden Verkäufer alles Möglichen – der dann eines Tages erkennen muss, dass diese Gabe ihn auch auf Abwege führt, wenn er etwa seine Familie für seinen Beruf vernachlässigt. Das war zuletzt in Imagine That so, und so ist es auch in Noch tausend Worte – wobei dieser Film schon vor Imagine That gedreht wurde, nämlich bereits im Jahr 2008, aber erst im März dieses Jahres in die amerikanischen Kinos kam, wo er, wie so viele von Murphys letzten Werken, nicht gerade ein Kassenerfolg war.

Eddie Murphy ist Jack McCall, ein Literaturagent, der geradezu stolz darauf ist, dass er die Bücher, die er verkauft, nicht gelesen hat. Eines Tages gerät er damit an den Falschen, den New-Age-Guru Dr. Sinja, dessen Werk er ihm gegenüber in höchsten Tönen preist. Der Lohn dafür: Als er wieder nach Hause kommt, sprießt in seinem Garten ein Baum: Alles, was diesem widerfährt, spürt auch Jack künftig am eigenen Leib, ob er ihm nun mit einer Axt oder mit Chemikalien zu Leibe rückt. Vor allem aber verliert der Baum bei jedem Wort, das aus Jacks Mund kommt, ein Blatt, selbst das geschriebene Wort zählt. Noch ungefähr tausend Blätter habe der Baum, schätzt der herbeigerufene Guru. Sind sie abgefallen, ist nicht nur dessen Leben beendet, sondern auch das von Jack.

Als keine Abhilfe in Sicht ist, muss sich Jack mit einem Minimum an Worten beziehungsweise durch Zeichensprache verständigen – was nicht gerade erleichtert wird dadurch, dass sich das Buch des Gurus als nur fünfseitiges Pamphlet herausstellt und dass die Geduld von Jacks Ehefrau am Ende ist.

Das ist durchaus witzig, wenn Eddie Murphy bei einer Bestellung im Restaurant auf den Spuren von Harpo Marx wandelt und sich mittels Pantomime zu verständigen sucht, oder wenn er lauter sprechende Puppen zusammensucht, die für ihn das Reden bei einem Telefongespräch übernehmen, oder wenn er seinem jungen Assistenten Aaron das Verhandeln überlässt, unter anderem beim Gespräch mit Vertretern eines renommierten Verlages, das dieser in einer Mischung aus Kumpelhaftigkeit und arroganter Rapper-Manier vollkommen in den Sand setzt – das hat schon selbstreflexive Momente.

Regisseur Brian Robbins, der 2007 mit Norbit wohl den schlechtesten Eddie-Murphy-Film aller Zeiten inszenierte (bei dem Eddie Murphy allerdings auch als einer von vier Autoren tätig war), schafft es hier eine Zeitlang, Drama und Komik im Gleichgewicht zu halten, sogar die Szenen mit McCalls Mutter, die in einem Altersheim lebt, an Alzheimer leidet und deshalb ihren Sohn für ihren verstorbenen Ehemann hält, akzeptiert man – einerseits,´weil Ruby Dee die Mutter spielt, andererseits, weil Eddie Murphys McCall da viel glaubwürdiger zur Ernsthaftigkeit findet, als in den Auseinandersetzungen mit seiner Ehefrau. Irgendwann aber dürfte auch dem letzten Zuschauer klar sein, worauf der Film hinausläuft. »We all need saving«, der Titel eines Musikstücks im Film, ist dafür programmatisch. Es scheint, als hätte Eddie Murphy den Glauben gefunden. Schön für ihn, weniger erfreulich für die Kinogänger

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