Kritik zu Mein Freund, die Giraffe

© Little Dream

Geschichte einer Freundschaft: Ein kleiner Junge muss seine sprechende Giraffe zu Hause lassen, als er eingeschult wird. Zusätzlich sorgen neue Freunde für Loyalitätskonflikte

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Giraffen sind interessante, aber nicht unbedingt »süße« Tiere. Dominiks Giraffe, kurz Raff genannt, ist in jedem Fall etwas ganz Besonderes. Erstens wurde sie im Zoo am selben Tag geboren wie er, und zweitens kann sie sprechen! Der Junge und die Giraffe sind von Geburt an die besten Freunde und unzertrennlich. Nun haben beide Geburtstag, und Dominik kommt am nächsten Tag in die Schule – Raff aber nicht. Das ist die Ausgangsproblematik der Geschichte, denn weder Dominik noch Raff verstehen, warum sie nicht gemeinsam lernen dürfen. Während Dominik in die Schule geht, ist Raff allein und Dominik mag sich zunächst nicht so recht in den Schulalltag integrieren. Das ändert sich jedoch schnell, als er sich mit Yous anfreundet.

Der Konflikt für Dominik, zwischen zwei Freunden zu stehen und ein schlechtes Gewissen Raff gegenüber zu haben, wird dabei für kleine Kinder sehr überzeugend und nachvollziehbar thematisiert. Es gibt nicht so häufig Filme für jüngere Zuschauer, die glaubwürdig und filmisch anspruchsvoll Konflikte durchexerzieren, mit denen sich schon die Jüngsten beschäftigen. Das gelingt hier mit der Zuversicht, dass Probleme lösbar sind. Dominiks Welt ist überschaubar – links geht es zum Zoo, rechts zur Schule – und wir können den Ort, der ein wenig an Bullerbü erinnert, gut überblicken, genauso wie das Personen-Tableau, zu dem neben Eltern und Lehrerin auch der Großvater gehört, der im Zoo arbeitet. Apropos Bullerbü, in den letzten Jahren kommen die aufregendsten Kinderfilme nicht mehr unbedingt aus den skandinavischen Ländern, sondern wie »Mein Freund, die Giraffe« aus Holland. Das hat mit Förderbedingungen in den Niederlanden zu tun, wo frühzeitig Produzenten, Verleiher und Förderer zusammenwirken. So können kleinere Produktionen entstehen, die immer häufiger auch einen Verleih in Deutschland finden, zuletzt unter anderem »Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch« oder demnächst »Allein unter Schwestern«.

Die Storys behandeln oft schräge Themen. In »Mein Freund, die Giraffe« ist da zum Beispiel die Souveränität, mit der behauptet wird, dass Raff sprechen kann. Wenn Dominik Yous davon erzählt, hält der ihn nicht für verrückt, sondern versucht, ihm sachlich das Gegenteil zu beweisen und nimmt seinen Freund damit ernst. Eine märchenhafte Welt, in der sprechende Tiere genauso normal sind wie diese wunderbare Schule, in der die Kinder lernen dürfen. Raff ist nicht computeranimiert, sondern ein lebensgroßes, bewegliches Stofftier, mit dem Dominik ganz realistisch agieren kann, sehr sympathisch gesprochen von Tobias Krell, besser bekannt als Checker Tobi, der in seiner gleichnamigen KiKa-Wissenssendung immer auf Augenhöhe mit seinen jungen Zuschauern agiert. Wir wünschen uns mehr ähnlich fröhliche Filme, die sich mit einem Schmunzeln der Probleme der Kinder annehmen und ihnen ohne pädagogischen Zeigefinger helfen, sich in der Welt zurechtzufinden. Ihre internationale Premiere feiern Dominik und Raff auf der Berlinale und begeistern danach hoffentlich viele kleine Zuschauer im Kino.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns