Kritik zu Mann tut was Mann kann

© Warner Bros.

Marc Rothemund (Harte Jungs, Sophie Scholl – die letzten Tage) präsentiert mal wieder das merkwürdige Verhalten der Großstädter zur Paarungszeit – und liefert eine sehr charmante Romantic Comedy ab

Bewertung: 4
Leserbewertung
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3 (Stimmen: 1)

Die Herzen der Männer hat das deutsche Kino schon so gründlich erforscht, dass eine weitere Inspektion kaum neue Erkenntniss verspricht. Auch die Geschichte von dem Paar, das zwar füreinander geschaffen ist, aber erst einmal diverse Hindernisse überwinden und Reifeprüfungen überstehen muss, bis es schließlich dem Sonnenuntergang entgegenfährt, hat sich inzwischen mächtig abgenutzt. Es ist also eine Portion Wagemut im Spiel, wenn Regisseur Marc Rothemund sich auf derart klischeebeladenes Terrain begibt – und umso erstaunlicher, wie charmant und geistreich sein Film daherkommt. Es zeigt sich wieder einmal, dass die alten Regeln des Genrekinos immer noch gelten: Nicht auf die Originalität des Plots kommt es an, sondern auf die Kunst der Variation.

Schon der Vorspann mit seinen ästhetischen Berlin-Totalen und den kunstvoll in den Raum drapierten Titeln stellt klar, dass Mann tut was Mann kann sich über die artverwandten TV-Romantic Comedies zu erheben gedenkt. Auch danach sieht der Film auf jene unaufdringliche Weise toll aus, die man in deutschen Produktionen selten sieht. Im Zentrum steht Paul Schuberth, ein Mann, der sich zwischen erfolgreicher Karriere und überzeugter Single-Existenz eingerichtet hat. Selbst den ungestümen Rottweiler aus dem Tierheim, den er hin und wieder ausführt, mag er nicht näher an sich heranlassen.

Dass diese Figur nicht auf Anhieb langweilt, liegt an ihrer Vielschichtigkeit. Denn Paul passt kaum in die Schublade des klassischen romantischen Helden, er verkörpert eine irritierende Mischung aus Virilität und Fragilität, ist zugleich entwaffnend und wehrlos. Kerle wie er sitzen eigentlich auf dem Fahrersitz des Lebens; durchaus symbolisch aber entzieht ihm das Drehbuch den Führerschein und verbannt ihn auf die Rückbank. Dass diese ungewöhnliche Charaktermischung funktioniert, liegt an Wotan Wilke Möhrings darstellerischer Leistung. Er macht Paul zu einem faszinierenden, immer wieder überraschenden Charakter, durch den die formelhafte Story durchweg lebendig bleibt.

Ein weiterer Kniff des Skripts, das Rothemund nach dem Roman von Hans Rath verfasst hat, besteht darin, die klassische Zweiergeschichte beinahe unmerklich in ein quirliges Ensemblestück zu verwandeln. Pauls Penthouse entwickelt sich zu einem Asyl der entwurzelten Männerherzen, wenn nach und nach seine Freunde Guido (herrlich zynisch: Jan Josef Liefers), Günther (etwas bemüht: Oliver Korittke) und schließlich auch der neue Chauffeur (schräg: Fahri Yardim) bei ihm einziehen. So entsteht eine wunderbar unwahrscheinliche Männer-WG, die zum Mittelpunkt eines verzweigten, clever konstruierten Reigens wird. Und natürlich kapiert Paul irgendwann, dass er etwas tun muss, wenn er die richtige Frau (Jasmin Gerat) vor der Hochzeit mit dem falschen Mann bewahren will.

Rothemund strebt glücklicherweise keinen Realismus an, sondern zeichnet lieber überlebensgroß. Natürlich schielt er dabei ein wenig nach Hollywood, leiht sich die eine oder andere Idee bei Apatow & Co. Nur am Ende übertreibt er den Slapstick ein wenig, aber selbst das lässt man sich bei so viel Witz und Wärme gerne gefallen.

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