Kritik zu Mamma Mia! Here We Go Again

© Universal Pictures

Noch einmal mit noch mehr Gefühl: In der Fortsetzung des ABBA-Musicals wird sowohl vor- als auch zurückgeblendet und ansonsten all das wiederholt, was den ersten Film so erfolgreich machte

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Zuviel des Guten sei nicht etwa schlecht, sondern wundervoll, so hörte man vor wenigen Jahren Michael Douglas das Lebensmotto von »Liberace« zelebrieren. Die Devise der ABBA-Fans könnte ähnlich lauten. Wer »Mamma Mia!« gut fand, der wird »Mamma Mia! Here We Go Again« wohl nur noch besser finden. Kommmt der Titel doch schon einem Versprechen gleich, darauf, dass es weitergeht mit dem Schwung und der nostalgisch-guten Laune, dem immer blauen Himmel und dem Getanze in bunten Sommerkleidern. Und vor allem natürlich: den im Karaoke-Stil von namhaften Stars dargebrachten Songs. Die Handlung hat dabei nur einen Auftrag: sie soll nicht weiter stören.

An der ersten Ausgabe der ABBA-Leinwandadaption vor genau zehn Jahren störten sich dennoch so einige. Der dünne Plot wurde beklagt, das kitschige Ambiente und das geringe Sängertalent der Darsteller, das nirgendwo so deutlich wie bei Pierce ­Brosnan zutage trat. Passenderweise sang Brosnan unter anderem das berühmte »SOS«. Die Gegenseite konnte die Kritik meist sogar nachvollziehen, hielt sie aber schlicht für absolut nebensächlich. Wem »Mamma Mia!« Spaß machte, der war durch keine Filmkritik zu belehren, so wie Jahrzehnte des Herabwürdigens der ABBA-­Musik im Popkultur-Diskurs die Gemeinde der Fans nur immer hatte wachsen lassen.

Alles, was man dem ersten Film vorwerfen konnte, trifft auch auf den zweiten zu, selbst Pierce Brosnan singt wieder, wenn auch nur sehr, sehr kurz. Dafür bietet ­»Mamma Mia! Here We Go Again« eben mehr von dem, was die Fans am ersten Film so mochten: so viel mehr Stars, dass Andy Garcia mit einer Hintergundrolle vorliebnehmen muss und der große Auftritt von Cher im Feuerwerk der Schlusshöhepunkte fast untergeht.

Die tatsächlich nicht weiter störende Handlung teilt sich in eine Gegenwartsebene, in der Amanda Seyfrieds Sophie auf der namenlos gebliebenen griechischen Insel ein der Mutter Donna gewidmetes Hotel eröffnen möchte, und ausführliche Rückblenden, in denen die von Lily James verkörperte junge Donna nach dem Collegeabschluss auf Europareise drei junge Männer trifft, aus denen dann bekanntlich Colin Firth, Stellan Skarsgård und Pierce Brosnan wurden.

Die Rückblenden sprengen fast das Format, weil sich die jungen Akteure im Gegensatz zu ihren alten Versionen beim Schauspielern richtig ins Zeug legen. Lily James als junge Meryl Streep reißt mit ihrer positiven Energie selbst noch den trägsten Statisten im Hintergrund mit. Hugh Skinner, Josh Dylan und Jeremy Irvine als die jungen Firth, ­Skarsgård und Brosnan haben sichtlich Spaß daran, in ihren Figuren etwas von den Ticks der Alten sichtbar zu machen.

Mehr noch als der erste Film funktioniert »Here We Go Again« als Nummernrevue, worin sich das Erfolgsrezept offenbart: Es wird viel gelächelt, aber nichts ironisiert. Im Gegenteil, jeder Song wird mit seiner Botschaft geradezu inniglich ernst genommen. Und wen es nicht in irgendeiner Ecke seines Herzens berührt, wenn Dominic Cooper und Amanda Seyfried »One of us is crying« im Duett singen, der ist eben zu abgebrüht für diesen Film.

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