Kritik zu Love After Love

© Kinostar Filmverleih

Ein attraktives Haus auf dem Campus einer amerikanischen Universität ist die verwinkelte Hauptbühne des Familiendramas um Abschied und Neubeginn, das Russell Harbaugh in seinem Langfilmdebüt »Love After Love« erzählt

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Suzanne (Andie MacDowell), eine Dozentin für Kostümdesign an der Schauspielschule, feiert mit ihrem Mann Glenn (Gareth Williams), einem dichtenden Literaturprofessor, und den Söhnen in einer Runde ausgelassener Gäste Glenns Geburtstag. Regisseur Harbaugh, selbst Script-Professor und ein Gewächs der an Tiefgang interessierten Sundance Drehbuchschule, inszeniert mit pointierten Dialogen das fast zu perfekte IdyIl wohlhabender liberaler Amerikaner aus dem Kulturmilieu. Glenns melancholisches Abschiedspoem im herbstlichen Garten leitet abrupt in eine Sequenz über, die die Fallhöhe dieser Geschichte über ein spätes Erwachsenwerden bestimmt.

Suzannes älterer Sohn Nick (Chris O'Dowd) schwärmt im Gespräch mit der Mutter von seinem verwöhnten Leben und fragt skeptisch, was denn Glück eigentlich sei. Dann übernimmt er die Rolle des Bad Guy, der mit dem Risiko des Verlusts nicht zurechtkommt und zerstört, was er zu lieben meint.

Nick und der jüngere Bruder Chris (James Adomian) erleben mit, wie Glenn, zu Hause betreut von Suzanne, den Krebstod erleidet. Das leise Gemurmel der Helfer bei den praktischen Pflege-Handgriffen und das entsetzlich schluchzende Atemgeräusch des Kranken bestimmen die lange Episode. Respektvoll aus der Distanz der schmalen Sichtachsen des Hauses gefilmt, konfrontiert die Inszenierung mit den Qualen des Vaters und dem Liebesdienst der Mutter.

Die Brüder, beide um 40, wirft die eindringliche realistische Sterblichkeitserfahrung aus der Bahn. Nick verlässt seine ihm souverän überlegene Ehefrau und Verlagskollegin Rebecca (Juliet Rylance) und zieht sich mit seiner heftig eroberten neuen Geliebten, einer Studentin des Vaters (Dree Hemingway), in sein Jugendzimmer zurück. Als er beobachtet, dass sich seine Mutter für eine neue Beziehung offen zeigt, beginnt er eine Affäre mit ihrer besten Freundin und versucht zugleich wie ein aufdringlicher Stalker, wieder an seine Exfrau heranzukommen. Der gutmütige Chris seinerseits, ein erfolgloser Schauspieler, beginnt zu trinken. Im Suff pinkelt er wie ein Kleinkind ins geschmackvolle Ambiente seiner Mutter. Irgendwann jedoch schafft er es, wenn auch stotternd, sich in einer schrägen Stand-up-Comedy-Nummer den Tod des Vaters von der Seele zu reden.

Im Zentrum steht Suzanne, die um ihre eigene, von Höhen und Tiefen begleitete Chance auf einen Neuanfang ringt. Andie MacDowell verleiht dieser Figur einer Frau in der Krise vollendete Anmut und Grazie, auch wenn sie in einer Szene die Beherrschung verliert und eine Studentin zusammenstaucht oder sich am Morgen nach einem missglückten One-Night-Stand verlegen aus dem Staub macht. Welchen Lebenshunger der Tod des Vaters auslöst, und welche destruktive Wucht die Familie auseinandertreibt, interessiert Russell Harbaugh. Er spinnt Suzannes Geschichte einer neuen Liebe weiter, indem er sein Ensemble wie anfangs im Hotel Mama versammelt. Es kommt darauf an, dass Suzanne sich von den Kindmännern am Tisch löst.

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