Kritik zu Liebesdings

© Constantin Film

Ein deutscher Kinostar landet nach ­einem Karrierefehltritt bei einem aktivistischen Alternativ-Theater, Anlass, um Stereotypen aller Art aufzumischen

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Marvin Bosch ist Deutschlands größter Kinostar; einer, hinter dem alle Klatschreporter her sind und der die Fans am roten Teppich verlässlich zum Kreischen bringt. Einer wie Matthias Schweighöfer also. Oder natürlich Elyas M'Barek, der diese Rolle nun passenderweise im Film »Liebesdings« auch gleich selbst verkörpert.

So richtig happy ist dieser Marvin jedenfalls trotz allen Erfolges nicht, selbst wenn er seine älteste Freundin Sammy (Peri Baumeister) als Managerin stets an seiner Seite hat und auch der alte Kumpel Hakan (Denis Moschitto) nie weit weg ist. Aber als ein wichtiges Fernsehinterview mit der gnadenlosen Reporterin Bettina Bamberger (Alexandra Maria Lara) gehörig schiefläuft, nimmt er kurz vor einer großen Premiere am Abend Reißaus und landet – bald nicht mehr nüchtern – ausgerechnet im queer-feministischen Off-Theater 3000, das akut von der Schließung bedroht ist. Eigentlich gibt es kaum einen Ort, an dem Marvin mehr fehl am Platz sein könnte. Um die Zukunft seiner Karriere scheint es aber ähnlich düster bestellt zu sein wie um die des alternativen Kreativ-Etablissements. Und so eröffnet ihm die Begegnung mit der kämpferischen Theatermacherin Frieda (Lucie Heinze) und ihren Mitstreiter*innen ganz neue Perspektiven, auf das Leben genauso wie die Liebe.

Dass es zwischen Marvin und Frieda aller Gegensätze zum Trotz gehörig knistert, versteht sich natürlich von selbst. Denn in vielerlei Hinsicht ist »Liebesdings« eben eine typisch deutsche romantische Komödie, und Regisseurin Anika Decker traut sich, jedenfalls auf Plot-Ebene, leider nicht wirklich, mit gängigen Mustern zu brechen. Das ist auch deswegen schade, weil die Funken zwischen M'Barek und Heinze eher in bescheidenem Maße fliegen und auch die wirklich guten Gags in ihrem Drehbuch spärlich gesät sind. 

»Liebesdings« ist interessanterweise trotz alledem ein sehenswerter Film, denn jenseits der Handlung setzt Decker auf Dinge, die in der hiesigen Kinolandschaft noch viel zu selten sind. Sie wolle nicht nur Spaß machen, sondern auch wichtige gesellschaftliche Themen ansprechen, sagt die Regisseurin im Presseheft, von #Me­Too und Feminismus bis hin zu Queerness oder Rassismus. Genau das tut sie dann auch auf mehreren Ebenen, nicht nur in den Dialogen und Settings, sondern auch bei der Besetzung, weswegen im Ensemble, zu dem unter anderem auch Maren Kroymann, Jochen Schropp, Simon Pearce oder Paul Zichner gehören, längst nicht jede*r weiß, cis oder hetero ist. 

Wirkt dieses Aufeinanderprallen von Mainstream-Mechanismen und aktivistischem Anspruch womöglich ein wenig didaktisch? Ja, hin und wieder lässt sich das nicht von der Hand weisen. Aber die Reibung, die im Versuch entsteht, mit Leinwand-Unterhaltung gegen misogyne und queerfeindliche Weltbilder anzugehen, ist eine reizvolle. Und wem die gleichen Themen am Herzen liegen wie Decker, der wird sich hier einfach freuen, dass jemand mit ihrer Reichweite all das überhaupt mal auf die Leinwand bringt.

Meinung zum Thema

Kommentare

Thema verfehlt, langweilig, teils pervers mit Tampon-Taenzen, Klitoris-Masken.
Hat mich gelangweilt und abgestoßen

Kein Bedarf mehr an so einem Schwachsinn

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