Kritik zu Jacky im Königreich der Frauen

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Die grelle Satire des Filmemachers und »Charlie Hebdo«-Kartoonisten Riad Sattouf geißelt das Frauenbild in traditionellen muslimischen Gesellschaften

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Es ist eine fremde und bizarre Welt. Während greise Generalinnen den Mangel verwalten, vegetieren die Menschen in einer einförmigen, schlammigen Suburb-Tristesse ohne geteerte Straßen dahin. Frauen tragen meist dicke Knarren und militärische Uniformen. Sie schielen geil auf voll verschleierte Männer, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit vergewaltigt werden. Jacky (Vincent Lacoste), der naive Held dieses Films, zettelt wider Willen eine Revolution an, worauf alles nur noch schlimmer wird. Der Zustand sexueller Repression, so die Moral dieser Satire, ist für die männlichen Sexobjekte der einzig mögliche Zustand eines dauerhaften und authentisch empfundenen Glücks.

Der Autorenfilmer Riad Sattouf trägt zugegebenermaßen ziemlich dick auf. Aber eigentlich schildert der Franzose mit syrischen Wurzeln nur seine autobiografische Kindheit in einem sunnitischen Dorf: »Alle meine Tanten und Cousinen trugen Schleier, Frauen hatten weniger Rechte als Männer. Und ja, die meisten Frauen waren glücklich damit und verteidigten ihre Lebensweise vehement.« Die Frage, ob seine Kritik an der muslimischen Tradition filmisch überzeugt, wird überschattet durch die Pariser Anschläge auf die Meinungsfreiheit. Der in Frankreich prominente Karikaturist und Autor arbeitet seit Jahren für die Satirezeitschrift »Charlie Hebdo«, für die er seine wöchentlich erscheinende Cartoonreihe »La vie secrète des jeunes« zeichnet. Während des Terroranschlags am 7. Januar war er nur zufällig nicht in der Redaktion.

Sein zweiter Kinofilm nach Jungs bleiben Jungs haut in die gleiche Kerbe wie jene Karikaturen, um derentwillen Islamisten zwölf Redakteure und Künstler von »Charlie Hebdo« ermordeten. Sattoufs groteske Überzeichnung eines fiktiven Matriarchats ist die satirische Verdrehung der Frauenrolle in traditionellen muslimischen Gesellschaften. Der Tonfall erinnert an Das Leben des Brian, wobei Sattouf die humoristische Virtuosität des Monthy-Python-Kollektivs nicht ganz erreicht. Sehenswert ist der Film aber dennoch. Er buchstabiert die Fantasie aus, die in letzter Konsequenz hinter einem »Islamischen Staat« steht. Es ist die düstere Vision eines an George Orwell erinnernden, uniformen Totalitarismus, in dem nichts produziert wird und die Menschenmassen mit einem Schleim aus recyceltem Kot verköstigt werden.

Eine Verunglimpfung des Propheten, um derentwillen die Redakteure von »Charlie Hebdo« ermordet wurden, zeigt der Film nicht. Zumindest nicht im Sinne der konventionellen Ikonographie. Wenn die Männer aber zu einem Pony als höchstem religiösem Wesen beten, dann ist die Satire allerdings noch böser und abgründiger als die meisten Mohammed-Karikaturen. Ob Islamisten solche Feinheiten registrieren, bleibt abzuwarten. Das Schicksal des von Fundamentalisten ermordeten Regisseurs Theo van Gogh wird Sattouf hoffentlich nicht teilen müssen. Auf die Top-10-Killerliste der Taliban wird es Jacky im Königreich der Frauen sehr wahrscheinlich – hoffentlich – nicht schaffen.

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