Kritik zu Gringo

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Gauner gegen Gauner: Charlize Theron und Joel Edgerton wollen mit Marihuana-Pillen das große Geschäft machen, aber David Oyelowo funkt ihnen dazwischen

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Eigentlich wäre »Get the Gringo« der passendere Titel für Nash Edgertons neuen Film gewesen, eine schwarze Komödie über einen amerikanischen Geschäftsmann, der in Mexiko zwischen die Fronten von Drogenhändlern, Kleingaunern und Polizei gerät. Der Titel war aber schon vergeben, an ein schönes B-Movie mit Mel Gibson. Warum also nicht einfach »Gringo« ? Klingt ja so ähnlich, und die Kinogänger werden schon die richtigen Assoziationen spinnen. Ob die Titelfindung nun wirklich so lief oder nicht – der Eindruck von halb geklauter Pseudooriginalität steht exemplarisch für den gesamten Film. Nicht nur das: Mit seiner mehrgleisigen Story über schicksalhafte Zufälle, popkulturell versierte Mafiosi und über die Bibel philosophierende Killer kommt »Gringo« ungefähr 20 Jahre zu spät.

Was den Film einigermaßen über die Runden bringt, ist die gute Besetzung. ­Joel Edgerton (der Bruder des Regisseurs) spielt den zynischen Pharmaunternehmer Richard, der mit seiner ebenso zynischen Geliebten Elaine (Charlize Theron) in Mexiko eine neuartige Marihuana-Pille produzieren lässt. Die Legalisierung des Rauschmittels soll ihnen das große Geld bringen; die Fusion mit einem Großkonzern ist schon eingetütet. Für eine Weile macht es durchaus Spaß, Theron und Edgerton dabei zuzusehen, wie sie sich in Gemeinheiten ergehen und lustvoll die narzisstische Kaltschnäuzigkeit ihrer Charaktere ausspielen. Bis man merkt, dass da nichts weiter kommt. Die beiden bleiben Karikaturen. Zu überzeichnet, um sie zu hassen, und zu flach, um Faszination ­auszuüben.

Auf der anderen Seite steht der gutmütige Pharmamanager Harold (gut wie immer: David Oyelowo), ein alter Freund von Richard, der durch die besagte Fusion seinen Job verlieren würde. Warum, bleibt schleierhaft, aber irgendwie muss die ­Story ja in Gang kommen. Harold nämlich will Elaine und Richard ein Schnippchen schlagen, indem er während einer Geschäftsreise nach Mexiko seine Entführung vortäuscht. Ziel der Aktion
ist ein millionenschweres Lösegeld. Natürlich läuft nichts wie geplant, denn ein örtlicher Drogenbaron (und Beatles-Fan) will Harold tatsächlich entführen lassen, da dieser als Einziger Zugang zum Rezept für die Marihuana-Pille hat. Warum Harold der Einzige ist, bleibt schleierhaft, doch andernfalls würde die Entführung ja keinen Sinn machen. Der Film ist voll von derlei dramaturgischen Nachlässig­keiten, überboten nur noch durch die Abgedroschenheit der weiteren Akteure in der wilden Hatz auf Harold.

Da gibt es unter anderem ein naiv-­romantisches Gaunerpärchen, zwei dämliche Möchtegernentführer und einen über die Bibel schwadronierenden Ex-Söldner. Allesamt Figuren, die man aus den schlechten Filmen der Post-Tarantino-Ära zu kennen meint. So wird am Ende jeder halbwegs bewanderte Zuschauer nicht nur beim Titel die richtige Assoziation ziehen – nämlich dass »Gringo« auch vor 20 Jahren nicht origineller gewesen wäre.

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