Kritik zu Gott verhüte!

© Neue Visionen

Kondom, Pille und Abtreibung – ist das Thema Empfängnisverhütung nicht schon längst durch? Nicht in diesem kroatischen Box-Office-Hit

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er unerfahrene junge Geistliche Don Fabijan soll auf einer idyllischen dalmatinischen Insel die Nachfolge des Dorfpfarrers antreten. Jakub, ein Pfarrer zum Anfassen, spielt im Fußballverein, ist auf jeder Feier und dirigiert den Kinderchor. Beim Beichten stehen die Gläubigen bei dem leutseligen Alten Schlange. Zum Jungen kommen nur solche, die keine Zeit zum Warten haben – wie Kioskverkäufer Petar, der, angestiftet von seiner streng­religiösen Frau, beichtet, dass er durch den Verkauf von Kondomen »Menschen umbringt«. Fabijan, der mit Sorge regis­triert hat, dass auf der Insel viel gestorben, aber nicht geboren wird, hat eine Idee. Mit Petar perforiert er heimlich die Spitze der Kondome. Dann verbünden sich die beiden mit Apotheker Marin, der Antibabypillen durch Vitaminpillen ersetzt. Mit der Überwachung des Sexuallebens der Einwohner, einem strategischen Verkupplungsplan und qua priesterlicher Autorität ausgesprochenen Lügen lässt das Trio die Vermählungs- und Geburtenrate hochschnellen. Die »Insel der Liebe« kommt ins Fernsehen, wird von unfruchtbaren Touristenpaaren besucht und blüht auf...

Nach diesem komödiantischen Beginn dekliniert Regisseur Vinko Bresan konsequent durch, zu was es außerdem führt, wenn Frauen ungewollt schwanger werden. So braut sich hinter der Anmutung eines balkanisch-deftigen Don Camillo-Schwanks das Unglück zusammen. Der pfiffig-naive Pfarrer, der mit seiner »Seid fruchtbar und mehret euch«-Prämisse der Insel und auch seiner eigenen Zunft das Überleben sichern will, wird unversehens zum Auslöser einer Satire über die bigotte Institution Katholische Kirche. Zwar mutet es fast altmodisch didaktisch an, wie Bresan die schlechte alte Zeit für Frauen erneut heraufbeschwört und exemplarisch das Unglück rund ums ungewollte (aber auch ums unmögliche) Kinderkriegen demonstriert. Bestechend ist jedoch die Leichtfüßigkeit, mit der diese Lektionen illustriert werden. Dank des ausgefeilten Drehbuchs, in dem skurrile Nebenfiguren zu Strippenziehern aufsteigen, gewinnt die Stimmung folkloristischer Hemdsärmeligkeit allmählich bedrohliche Nuancen. Doch bis zum Schluss bleibt der Tonfall luftig und von melancholischem Humor durchzogen – was die allerletzte Scheußlichkeit umso erschütternder macht.

Kresimir Mikic ist als Zauberlehrling, der die Kontrolle verliert, perfekt besetzt. Äußerlich ist der leicht karikaturhafte Gottesdiener mit der »Deadpan«-Miene, hinter der naive Visionen der Unzucht brodeln, durchaus auch als Inquisitor oder Sowjetkommissar denkbar. Dennoch entpuppt sich Fabijan als der anständigste unter seinen, wie sich zeigt, zynischen Kollegen. Vom postideologischen kroatischen Publikum wird dieser inländische Box-Office-Hit vielleicht auch als Parabel auf Sozialingenieure, die Gesellschafts­arithmetik über menschliche Bedürfnisse stellen, gesehen. Als »Komödie« jedenfalls ist Gott verhüte! zum Glück ein Etikettenschwindel.

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