Kritik zu The Good Liar – Das alte Böse

© Warner Bros. Pictures

2019
Original-Titel: 
The Good Liar
Filmstart in Deutschland: 
28.11.2019
L: 
109 Min
FSK: 
12

Heiratsschwindlerschwank oder ­Rachethriller? Bill Condons Film kann in jedem Fall mit zwei Trümpfen aufwarten: Ian McKellen und Helen Mirren

Bewertung: 2
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Um noch einmal die große Liebe zu finden (oder wenigstens eine schöne Zeit zu haben), ist man nie zu alt. Das denkt sich zumindest Betty McLeish (Helen Mirren), eine noch nicht allzu lange verwitwete frühere Geschichtsprofessorin. Doch auch für einen großen Betrugscoup muss man nicht unbedingt blutjung sein. Das wiederum weiß Roy Courtenay (Ian McKellen), ein Schwindler der Meisterklasse, der sonst auch Investoren ausnimmt – und nun Bettys Onlinepfade auf einem Datingportal im Internet kreuzt.

Dass das erste Date der beiden kein Produkt des Zufalls ist, daraus macht »The Good Liar – Das alte Böse« nicht lange einen Hehl. Denn Betty besitzt nicht nur einen modern-geräumigen Bungalow, sondern auch jede Menge Erspartes. Genau darauf natürlich hat es Roy abgesehen, und er scheint bei seinem Plan, trotz jeder Menge Skepsis seitens Bettys Enkel (­Russell Tovey in einer undankbaren ­Rolle), erstaunlich leichtes Spiel zu haben. Es dauert nicht lange, bis er im Haus seiner Flamme ein Bett in Beschlag genommen hat. Und sogar sein Vorschlag einer gemeinsamen Geldanlage stößt bei ihr auf offene Ohren. Doch natürlich hätte der Film keinen Spannungsbogen, würde nicht Betty selbst auch ein bisschen was von Lügen und Geheimnissen verstehen.

Mit der Spannung ist es in »The Good Liar« letztlich so eine Sache, doch dazu an dieser Stelle zu sehr in die Tiefe zu gehen, würde bedeuten, dem Film auch noch das letzte bisschen auszutreiben. Aber um es ein wenig im Vagen zu belassen: Spätestens als es die beiden rüstigen Rentner für einen Kurzurlaub nach Berlin verschlägt, fährt das von Jeffrey Hatcher auf der Basis eines Romans von Nicholas Searle verfasste Drehbuch mehr als nur Überraschungsmomente auf. Und verhebt sich daran.

Mit einem Mal nimmt der Film eine bedeutungsschwere und düstere Wendung, die kaum im Verhältnis steht zum bis dahin angeschlagenen Tonfall, aber ihn gleichzeitig auch nicht um eine wirklich notwendige zusätzliche Facette bereichert. Viel mehr verstärkt sich der disparate Eindruck, den »The Good Liar« die ganze Zeit schon gemacht hatte: zu wenig leichtfüßig für eine Betrugskomödie, zu wenig spannend für einen echten Thriller. Regisseur Bill Condon, der nach »Gods and Monsters« vor über 20 Jahren meist eher als solider Handwerker denn als aufregender Visionär von sich reden machte, hat dem nichts entgegenzusetzen.

Wirklich in die Waagschale werfen kann er am Ende lediglich seine beiden Stars. Auch Mirren und McKellen, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera standen, schaffen es nicht, dass ihre Figuren und deren Verhalten in jeder Situation einer Glaubwürdigkeitsprüfung standhalten. Doch weil sie es sind – zwei charmant-elegante Ausnahmeschauspieler, die sichtlich gern miteinander arbeiten – sieht man ihnen vieles nach. Und vor allem gern zu. Was es umso bedauerlicher macht, dass die Geschichte dieses Films kaum einen Bruchteil ihrer Klasse hat.

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