Kritik zu Godzilla II: King of the Monsters

© Warner Bros. Pictures

Pünktlich zum 65. Geburtstag der japanischen Riesenechse kommt die Fortsetzung zum amerikanischen Reboot von 2014 in die Kinos

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Militante Öko-Terroristen, angeführt von Colonel Alan Jonah (Charles Dance), haben die Biologin Emma Russell (Vera Farmiga) und ihre Tochter (Millie Bobby Brown) entführt. Denn Russell, die für eine kryptozoologische Agentur namens Monarch arbeitet, hat einen Weg gefunden, via Sonar mit Monstern wie Godzilla zu kommunizieren. Jetzt soll sie den dreiköpfigen Drachen King Ghidorah, den Flugsaurier Rodan und den Riesenfalter Mothra aus ihrem Tiefschlaf erwecken, wollen die Öko-Terroristen mit Hilfe der Titanen doch die Menschheit ausrotten, um das ökologische Gleichgewicht der Welt wieder herzustellen. Aber zum Glück scheint Godzilla eine Schwäche für die menschliche Spezies zu entwickeln.

Als Blaupause für das neue »Godzilla«-Sequel diente Ishirô Hondas Monsterspektakel »San daikaijû: Chikyû saidai no kessen« ( irrwitziger deutscher DVD Titel: »Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah«) aus dem Jahr 1964. Der Film gilt als Klassiker, weil Godzilla hier langsam menschenfreundliche Züge entwickelte und sein Erzfeind, der goldene Drache King Ghidorah erstmals in Erscheinung trat. Um die Weltraumbestie in die Flucht zu schlagen, bekam Godzilla Hilfe von den bereits aus eigenen Filmen bekannten Kaiju Mothra und Rodan. 

Die bildgewaltige amerikanische Neuinterpretation bietet eine Fülle inhaltlicher Versatzstücke, die man aus den bislang 29 japanischen »Godzilla«-Filmen kennt. Nur werden sie hier in konzentrierter Form auf das dramaturgisch Notwendigste reduziert. Die menschlichen Filmfiguren sind entsprechend holzschnittartige Genre-Stereotypen die keiner ausführlichen Exposition mehr bedürfen. Und den Schauspielgrößen Vera Farmiga, Sally Hawkins, Ken Watanabe oder Zhang Ziyi bleibt nur wenig Zeit, um ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Sie agieren lediglich als Stichwortgeber oder Ringrichter für die monströsen Hauptdarsteller.

Der Lustgewinn für die Fans liegt natürlich in der zeitgemäßen Neuinterpretation der altbekannten Kaiju. Die digitale Visualisierung der Titanen folgt dabei einem unbedingten Realitätsanspruch: Wie würde es wohl aussehen, wenn Riesenmonster wirklich existieren würden? Diese für Hollywood typische Herangehensweise ist das genaue Gegenteil der bewusst artifiziell und poetisch angelegten Phantasiewelt japanischer »Godzilla«-Filme. 1964 wurde der dreiköpfige Ghidorah noch von einem Schauspieler im Drachenkostüm dargestellt, der an unsichtbaren Drähten wie eine Marionette über Miniaturstädte in den Toho Filmstudios flog. Damals eine logistische Höchstleistung mit den Mitteln des traditionellen japanischen Theaters. Der moderne King Ghidorah ist ein digital im Computer erschaffenes Wesen, dessen drei Köpfe von verschiedenen Schauspielern per Motion-Capture ihre Mimik erhalten. Formal hat G2 nichts mehr mit dem naiven Charme der japanischen Vorlage zu tun. Doch die im Film immer nur als »Titanen« bezeichneten Monster sind von ihrem majestätischen Wesen her echte Kaiju: Gigantische, mythologische Fabelwesen wie Naturgewalten, mit denen sich der Mensch arrangieren muss.

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