Kritik zu Elysium

© Sony Pictures

2013
Original-Titel: 
Elysium
Filmstart in Deutschland: 
15.08.2013
L: 
109 Min
FSK: 
16

Nach dem originellen »District 9« waren die Erwartungen an Neill Blomkamps zweites Werk hoch. Auch mit einem Großbudget bringt der Südafrikaner Science Fiction und politisches Statement zusammen

Bewertung: 3
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 2)

Weiter kann die »soziale Schere« nicht auseinanderklaffen: Auf der verseuchten und überbevölkerten Erde leben die elenden Massen in Slums, die von Horizont zu Horizont reichen. Die Oberklasse hat sich auf die Raumstation »Elysium« abgesetzt, hoch über dem blauen Planeten. Die Station hat die Form einer gigantischen Zentrifuge, eine schwebende Traumwelt mit Villen, Parks und Swimmingpools. Jede Krankheit oder Verletzung kann hier dank modernster Medizin im Handumdrehen geheilt werden. Von hier aus wird auch das Heer der Armen und Entrechteten auf dem Heimatplaneten ausgebeutet und mittels Roboterbeamten kontrolliert. Wer unten lebt, kann von diesem Himmelreich nur träumen. Oder er riskiert den Tod, wenn er versucht, illegal dorthin zu gelangen.

Obwohl im Jahr 2154 angesiedelt, ist jenes Elysium also gar nicht allzu weit von unserer schönen Wohlstandswelt entfernt, in der wir uns weit entfernt wähnen vom Elend der »Entwicklungsländer«, die wir zutiefst bedauern und dennoch weiter ausbeuten. Und gegen die wir uns immer brutaler abschotten. Wenn Neill Blomkamp für seinen Film das Los Angeles der Zukunft von den heutigen Slums Mexikos doubeln lässt, so ist auch das ein sarkastischer Kommentar zu den Machtverhältnissen in der Gegenwart. Ließ »District 9« sich als Parabel auf das Apartheidsystem lesen, so spiegelt Elysium auf ungewöhnlich kämpferische Weise unsere Weltordnung.

Max Da Costa (Matt Damon), ehemals ein Krimineller und nun bemüht, sich als Fabrikarbeiter durchzuschlagen, lebt im kaputten Teil dieser Welt und stellt für den Konzern Armadyne genau jene Roboter her, die ihn täglich auf der Straße drangsalieren. Doch als er bei einem Arbeitsunfall radioaktiv verseucht wird und nur noch fünf Tage zu leben hat, fügt er sich nicht mehr in sein Schicksal. Er will nach Elysium, wo er geheilt werden kann. Um an ein gefälschtes Visum zu gelangen, ist er bereit, einen gefährlichen Auftrag zu erfüllen: Er soll den Armadyne-Chef (William Fichtner) entführen. Doch schon da läuft alles schrecklich schief, und Max wird in eine elysische Intrige von Ministerin Delacourt (Jodie Foster) verwickelt. Die hetzt ihre Bluthunde auf ihn, angeführt vom skrupellosen Kruger (Sharlto Copley). Immerhin begegnet Max aber auch seiner Jugendliebe Frey (AliceBraga) wieder, deren schwerkranke Tochter ebenfalls ein Ticket nach Elysium braucht, um zu überleben.

Mindestens die erste Hälfte des Films ist mit ihrem Reichtum an Details und ihrer analytischen Schärfe herausragend. Unter den Hollywood-Dystopien der letzten Zeit war keine auch nur annähernd so konsequent und nahm ihr Thema so ernst. Auf Ironie verzichtet Elysium freilich nicht. Da sitzt Max einmal ein Bewährungshelfer in Gestalt eines schon etwas angestoßenen Androiden gegenüber, der an den Robotertaxifahrer aus Verhoevens Total Recall erinnert. In unnachgiebigem Beamtenduktus registriert er jede Regung des Menschen und offeriert ihm sogleich die passenden Pillen. »Fürsorge« und Kontrolle finden in autoritärer Vollendung zusammen. Nur eines von vielen Details, die das Szenario so plastisch und gegenwärtig machen.

Auch die visuelle Gestaltung ist großartig: Zahlreiche Motive von »District 9« greift sie auf, etwa im naturalistischen Look der Slums und in den ebenfalls ziemlich schmutzigen, oft mit Handkamera gefilmten Kämpfen, jedoch um die aseptische Kontrastwelt von Elysium erweitert, wo glattgebügelte Bewohner vor weißen Villen Cocktailpartys feiern.

Im Verlauf des Films treten allerdings sowohl die Geschichte als auch die gestalterische Finesse immer mehr in den Hintergrund, der Film wird fast nur noch durch die Action vor angetrieben. Über einzelne unglaubwürdige Wendungen mag man gerne hinwegsehen. Höchst bedauerlich aber ist, wie der kritische Biss von Elysium nachlässt, je verbissener darin um die Weltverbesserung gekämpft wird. So konsequent sich die Wut auf die herrschenden Verhältnisse in explodierenden Körpern ausdrücken lässt: Im ständigen Getümmel ist für genaue Beobachtung keine Zeit und kein Raum mehr, so fügt sich Elysium leider wieder allzu sehr in die durchschnittlichen Blockbuster-Muster und verschenkt viel von seiner Faszination.

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