Kritik zu Eine ganz heiße Nummer 2.0

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Auch die Waltraud, die Lena und die Maria wollen endlich High-Speed-Internet: Auch in der Fortsetzung seines ironischen Heimatfilms von 2011 versucht Rainer Kaufmann, das Klischee zu brechen und gleichzeitig zu bedienen

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Die junge Frau auf dem Traktor trägt nur einen Bikini. Der Grund für ihre Protestfahrt quer durchs Dorf: Ihr Freund will nicht mehr mit ihr schlafen. Stattdessen konsumiert er heimlich Pornos. Unterlegt ist die Provinz-Rallye mit dem Heuler »Can the Can«, in dem Suzi Quatro 1973 davon sang, dass sie ihren Mann in eine Dose stecken will. Mit dieser eindeutig zweideutigen Szene beginnt »Eine ganz heiße Nummer 2.0«. Die Fortsetzung der gleichnamigen Komödie von 2011 ist ein »moderner« Heimatfilm, angesiedelt im Trend jener Mundartkrimis, die sich seit etwa zehn Jahren zu einem Subgenre des traditionellen Heimatfilms gemausert haben. Unter dem Radar der Kritik entfalteten etwa Sebastian Bezzel in den Eberhofer-Krimis und Johanna Bittenbilder als Kommissarin Gisela Wegmeyer in »Sau Nummer 4« an tristen Schauplätzen einen ganz eigenen Blues ohne Heimatkitsch.

In diesem Fahrwasser versucht auch »Eine ganz heiße Nummer«, einschlägige Klischees des Heimatfilms zu bedienen und gleichzeitig gegen den Strich zu bürsten. So entwickeln im ersten Teil drei Frauen in einer strukturschwachen Region ein neues Geschäftsmodell mit Telefonsex. An diesen Gedanken versucht das Sequel anzuknüpfen. Marienzell, das Heimatdorf der drei Protagonistinnen, droht zur Geisterstadt zu werden, falls das Kaff nicht endlich ans High-Speed-Internet angeschlossen wird. Während einige der Bewohner selbst zur Schaufel greifen, um das Glasfaserkabel zu verlegen, versuchen die drei gebeutelten Freundinnen Waltraud (Gisela Schneeberger), Lena (Rosalie Thomass) und Maria (Bettina Mittendorfer), das Geld für einen professionellen Internetausbau bei einem lokalen Tanzwettbewerb zu gewinnen.

In der Nacherzählung klingt das nicht allzu prickelnd. Die Umsetzung ist nicht wirklich besser. Um bei der Ausscheidung eine Chance zu haben, engagieren die drei Frauen einen professionellen ­Choreographen. In einem Cameo-Auftritt ist Jorge González zu sehen, der durch »Germany's Next ­Topmodel« bekannt wurde. Nun versucht er, den Damen im Stil einer näselnden Bilderbuchschwuchtel einen sexy Hüftschwung beizubringen. Neben solch platten Verirrungen hat der Film durchaus seine Momente. So besteht ein Kunde von Waltrauds früherer Sex-­Hotline auf einen letzten Dirty Talk, derweil ein Herzinfarkt ihn dahinrafft. In dieser tragikomischen Szene wecken Gisela Schneeberger und Günther Maria Halmer Erinnerungen an jenes kindliche Gefühl, als man sich zum ersten Mal vorstellte, die eigenen Eltern würden Sex haben.

Unter dem Strich dominiert aber der Schenkelklopferhumor. Der Film, lärmend und nicht wirklich subtil, erinnert an den Gang über einen Jahrmarkt. In den fürs Fernsehen realisierten Kluftinger-Krimis »Seegrund« und »Milchgeld« zeigte Rainer Kaufmann, dass er dem Heimatfilm mit selbstironischen Brechungen und surrealen Überhöhungen neue Akzente abzugewinnen versteht. Seine Fortsetzung zu »Eine ganz heiße Nummer« ist dagegen eher entbehrlich.

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