Kritik zu Dinner für Spinner

© Paramount Pictures

Jay Roach (»Austin Powers«, »Meine Braut, ihr Vater und ich«) gelingt es bei seinem Remake des französischen Komödienhits »Le Diner des Cons« die Witzigkeit der Vorlage durch völlige Überzeichnung auf geradezu absichtsvolle Weise zu zerstören

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Es mag viele Gründe geben, einen Film wie »Dinner für Spinner« sehen zu wollen: Weil man sich an Steve Carells Dauergrinsen erfreuen will, oder weil man Paul Rudd für einen der charmantesten Liebeskomödiendarsteller des aktuellen Kinos hält, oder weil man schon immer mal eine Antwort auf die Frage bekommen wollte, wie man einen Witz aus dem Französischen ins Englische übersetzen muss, damit auch Amerikaner darüber lachen. Jay Roachs Remake von Francis Vebers französischem Kassenhit aus dem Jahr 1998, »Le diner des cons«, mag die ersten beiden der genannten Bedürfnisse noch mehr oder weniger hinreichend erfüllen, versagt aber völlig beim dritten. Man kann geradezu die Konsequenz bewundern, mit der Roach und die Drehbuchschreiber David Guion und Michael Handelman jeden in der Vorlage noch bestens funktionierenden Gag in einer Weise überzeichnen, die ihm jede Witzigkeit austreibt.

Zum Teil mag das daran liegen, dass sich die Tiefenstruktur von Vebers Komödie eben gar nicht so einfach von Frankreich in die USA übertragen lässt. Das Original gewann seine komödiantische Fallhöhe aus den Klassengegensätzen der französischen Gesellschaft: Dort die smarten Bourgeois, die sich so elegant über kleinbürgerliche »Spinner« lustig machen, dass Letztere es noch nicht einmal mitbekommen. Hier die Sammler und Bastler, die mit ihren besten kleinbürgerlichen Intentionen das Leben des Bourgeois ins Chaos stürzen können. Bei Roach ist zwar Carell ein einfacher Steuerbeamter und Rudd der Angestellte einer Investitionsfirma, aber in den USA ist das nur ein Einkommensunterschied und nicht unbedingt einer der Kulturen. Das Spiel mit den Missverständnissen, das sich im Original aus den verschiedenen gesellschaftlichen Codes ergab, funktioniert deshalb hier nicht: Carells »Spinner« Barry und Rudds ehrgeiziger Tim sprechen die gleiche Sprache. Nur dass Barry es vorzieht, nicht immer hinzuhören. Als Zuschauer würde man es ihm am liebsten nachmachen

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