Kritik zu Die Unfassbaren – Now You See Me

© Concorde

Woody Harrelson und Jesse Eisenberg als diebische Magier führen Mark Ruffalo an der Nase herum

Bewertung: 2
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

Mit Zaubertricks im Film ist das so eine Sache. Der Witz einer »magischen« Bühnenshow besteht ja darin, dass man glaubt, alles im Blick zu haben – und dann doch hereingelegt wird. Im Kino aber fühlt man sich als Zuschauer von den Zaubereien nie wirklich überrascht, da Film als erzählerisches Medium bereits eine große Trickserei ist. Die filmische Entsprechung zur Zaubershow ist das »Heist-Movie«, zu dessen Grundprinzipien es gleichwohl gehört, den Zuschauer in das Vorgehen der Diebe einzuweihen. Er wird zum Komplizen und fiebert mit: Es entsteht »Suspense«, um es mit Hitchcock zu sagen.

In Die Unfassbaren versucht Louis Leterrier, dieses Prinzip umzudrehen: Der Zuschauer weiß nichts über die Pläne der Diebesbande und soll von deren Finten genauso überrascht werden wie ihre Opfer und die ermittelnden Polizeibeamten. Er potenziert dieses Prinzip, indem er die Ganoven zu Magiern macht, die ihre Coups im Rahmen spektakulärer Bühnenshows durchziehen. Das klingt originell, aber leider funktioniert es nicht. Anstelle von Spannung stellt sich mangels Nachvollziehbarkeit nur Verwirrung ein. Die vermeintlichen Überraschungseffekte wirken in diesem Kontext wie billige Taschenspielertricks – schließlich ist nichts einfacher, als jemanden hereinzulegen, dessen Blick man mittels Kameraeinstellung und Schnitt ohnehin beliebig steuern kann. Man fiebert nicht mit den Dieben, sondern fühlt sich plump an der Nase herumgeführt. Leterrier scheint großes Vergnügen an diesem »Ätsch«-Gefühl zu haben, denn nach jedem Coup wird ausführlich erklärt, wie er konzipiert war und was man also alles nicht verstanden hat. Wobei man sowieso nie die Chance bekam, irgendetwas zu verstehen.

Apropos Sinn: Eine Story im herkömmlichen Sinn hat der Film nicht. Die Unfassbaren besteht aus einer willkürlich anmutenden Reihung alberner Bühnenshows, die jedes Mal in einem Raub enden. Anstatt interessante Charaktere zu entwickeln, hofft Leterrier darauf, dass Schauspieler wie Woody Harrelson, Michael Caine, Morgan Freeman und Mark Ruffalo den Figuren durch ihre schiere Präsenz eine gewisse Tiefgründigkeit verleihen. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das zwar, und es hat auch einen gewissen Charme, dass die Bande ihre Beute in Robin-Hood-Manier jedes Mal ans Publikum verschenkt. Aber warum die vier Magier sich zu Beginn des Films zusammengetan haben und ob sie ein bestimmtes Ziel verfolgen, bleibt bis zur letzten Szene im Dunkeln. Und selbst mit der lächerlich konstruierten Schlusspointe dreht Leterrier uns noch einmal eine lange Nase. Hätte er sie an den Beginn gesetzt, hätte er dem Geschehen eine ganz andere Dramatik gegeben.

So aber soll man sich zwei Stunden lang daran erfreuen, wie das Vierergespann seine Häscher immer wieder aus Kreuz legt. In Leterriers Transporter ging dieses Prinzip »Actionis character« prächtig auf. Die Unfassbaren aber will mehr sein als ein temporeiches B-Movie. Was bleibt ist ein bombastisches Katz-und-Maus-Spiel, das trotz jeder Menge Schall und Rauch vor allem ermüdet

 

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