Kritik zu Die Männer der Emden

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Kein Fall fürs Kino: Berengar Pfahls Zweiteiler über die Odyssee einer Schiffsbesatzung während des Ersten Weltkriegs wirkt im Zusammenschnitt bieder und altbacken

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Ziemlich gegen Ende begeht dieser Film seinen schlimmsten Fehler. Da unterhalten sich die Männer der Emden während ihres Fußmarschs durch die Wüste über einen britischen Soldaten, der in der Nähe gegen die Türken kämpft: Lawrence von Arabien. So werden auch jene Zuschauer, die zuvor noch gar nicht an den Klassiker von 1962 gedacht hatten, dazu aufgefordert, mal den Vergleich anzustellen. Und der fällt alles andere als schmeichelhaft aus.

Nun mag es unfair sein, einen Kinomeilenstein mit einem TV-Zweiteiler zu vergleichen, der als Zusammenschnitt in die Kinos kommt. Regisseur Berengar Pfahl ist nicht David Lean – und sein Stil gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass er je großes Kino machen wollte. Vielmehr verlässt er sich auf erzählerische Mittel, die selbst im Vergleich mit aktuellen Fernsehspielen antiquiert erscheinen. Das reicht vom platten Voice-over über plumpe Dialoge bis hin zu einer allzu biederen Kamera.

Wozu so etwas auf der großen Leinwand? Vielleicht attestierte ein ARD-Gremium dem Werk die Kinotauglichkeit, weil es hier um einen »Untergang« geht: den des titelgebenden Kreuzers Emden, der 1914 im Indischen Ozean recht lapidar versenkt wurde.

Die Geschichte der Männer der Emden handelt von deren Heimkehr: von jenen 13.000 Kilometern, die die Marinesoldaten per Schiff und am Ende zu Fuß zurücklegten. Dabei mussten sie Schiffe kapern, falsche Identitäten annehmen, Beduinenangriffe abwehren – und zwischendurch zahlreiche Dispute zu den Themen Ehre, Loyalität, Pflicht und Männlichkeit führen. Fünfzig Männer sind es am Anfang, und weil fast alle durchkommen, bleiben einige Figuren Staffage und wirkt vieles oberflächlich. Ob das Geschehen in der Langfassung an Komplexität gewinnt, darf bezweifelt werden. Möglicherweise wird sich der TV-Bildschirm aber gnädiger erweisen – und uns nicht auf die Idee bringen, Vergleiche mit den Größen der Filmgeschichte anzustellen.

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