Kritik zu Die koreanische Hochzeitstruhe

© Arsenal Distribution

2009
Original-Titel: 
Die koreanische Hochzeitstruhe
Filmstart in Deutschland: 
01.10.2009
L: 
82 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die Regisseurin Ulrike Ottinger ist vor allem auch für ihre ethnographischen Studien bekannt. Im Vergleich mit ihren China- und Mongoleifilmen ist ihre neue Arbeit allerdings ein Leichtgewicht

Bewertung: 3
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Kleine Säckchen in unterschiedlichen Farben mit Bohnen, Reis, Linsen und Hirse, die in bestimmten Ecken der Kiste abgelegt werden müssen. Traditionelle Gewänder in Blau (für den Mann) und Rot (für die Frau). Ein langes Baumwollband, das die Windel des erstgeborenen Kindes darstellen soll. Die titelgebende koreanische Hochzeitstruhe ist ein symbol- und traditionsgeladener Behälter aus massivem Holz und muss nach der minutiös vorgeschriebenen Bepackung in ein Tuch gewickelt und mit langen Bändern möglichst knotenlos verschnürt werden. An denen wird das Paket dann als Rucksack quer durch die Stadt ins Haus der Brauteltern getragen und über einer Schüssel mit ritueller Speise abgestellt.

In Ulrike Ottingers neuem Film wird das traditionelle Ritual von der Heiratsausstatterin Madame Kim und einem Adjutanten im Detail vorgeführt. Umrahmt wird es – nach einer Einführung erst durch eine Schamanin und dann ein von Ottinger selbst geschriebenes Märchen – von Szenen aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, die sich in den meisten Fällen auch ums Heiraten ranken: Da ist ein Ausflug zu einer Aussichtsplattform über der Stadt, wo ehewillige Paare beschriebene und mit Porträts beklebte Vorhängeschlösser an einem Zaun anbringen. Da ist ein Foto-Mal-Computer namens Rembrandt, der die Bilder der Verlobten mit digitaler Geisterhand in Zeichnungen im Stile Leonardos oder Raffaels verwandelt. Da ist der große Kosmetik- und Frisiersalon, in dem Braut und Bräutigam für den großen Auftritt herausgeputzt werden. Und dann die Zeremonie selbst in einem weißhochglänzend protzenden »Hochzeitspalast « mit vielen gepolsterten Stuhlreihen und einem Heer an Personal. Das Prozedere ist auch hier präzise durchgetaktet, high-technisch inszeniert als eher weltliche Nummernschau mit sekündlich wechselnden Lichteffekten und einem knallig westlichen Musikprogramm von der Festplatte. Und während Assistentinnen an den Gästen herumzupfen, um sie für die vielen Fotografinnen in Form zu bringen, endet der erste Höhepunkt nach Hochzeitsmarsch und Ringetausch in einem Tusch aus Konfettitrompeten.

Das ist mit Lust anzuschauen, wie auch manch andere Station in diesem Bilderreigen aus einer Stadt, wo mitten im Autobahndschungel immer noch alte Tempel und verkramte Lädchen liegen. Sie wolle herausfinden, »was im Alten neu und im Neuen alt« ist, sagt Ottinger in einem Text zum Film, und dass sich aus den Hochzeitsriten einer Gesellschaft gut der ganze Rest erschließen ließe. Mag im Prinzip sein: Doch Ottingers Film bleibt zu sehr in der exotisch faszinierten Nahperspektive gefangen, um den avisierten Beziehungen mehr als oberflächlich auf die Spur zu kommen. Vermutlich entwickelt Ottingers mimetische Methode des Filmemachens ihre Stärken erst auf der langen Strecke, wenn sie sich – wie in etwa Taiga – ihrem Gegenstand mit der Intensität ausdauernden Exzesses hingeben kann. Die koreanische Hochzeitstruhe, mit ihren 86 Minuten im Gesamtwerk eher ein Kurzfilm, kommt über den interessiert angeregten Blick eines Flaneurs nicht hinaus.

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