Kritik zu Die Dirigentin

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Die Niederländerin Maria Peters will mit ihrem Biopic der vergessenen ersten Dirigentin Antonia Brico ein filmisches Denkmal setzen

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Musik ist ein ebenso dankbares wie gängiges Mittel, um große Gefühle auf der Leinwand zu unterstreichen. Gepaart mit einer mutigen, schönen Frau, die Außergewöhnliches erreicht hat, ist das nahezu ein Garant für eine emotionsgeladene Geschichte. Schade nur, wenn unter dem musikalischen Pomp und den vielen Gefühlen die historische Figur fast verschwindet – wie hier in »Die Dirigentin« von der niederländischen Filmemacherin Maria Peters.

Antonia Brico war eine Frau, deren Biografie gleich für mehrere Filme reichen würde. 1902 in Rotterdam von einer unverheirateten katholischen Frau geboren, wird sie von einem Ehepaar adoptiert, das wenig später mit ihr in die USA auswandert. Dort entdeckt sie schon als Kind ihre Leiden­schaft fürs Dirigieren. Obwohl eine reine Männerdomäne, ist das Lebensziel ­Antonias gesteckt. Sie führt ein abenteuerreiches Leben, erreicht viel trotz aller Widerstände, wird später die erste Frau sein, die die Berliner Philharmoniker dirigiert, leitet aber niemals dauerhaft ein renommiertes Orchester.

Peters macht aus dem Stoff ein gefühliges Drama in Hochglanz und packt alle Themen rund um die Geschlechterfrage in die gut zwei Stunden hinein. Sie dramatisiert die Adoptionsgeschichte, lässt einen treuen Transgender-Freund und Unterstützer auftreten, einen Klavierlehrer und Dirigenten, der sie sexuell belästigt, und weil's nicht ohne Romanze geht, stellt sie der jungen Frau einen Verehrer und potenziellen Ehemann an die Seite, Sohn einer millionenschweren New Yorker Familie. Doch sie schlägt sein Angebot aus – der Musik wegen.

Das ist hübsch anzusehen vor allem dank der bezaubernden Christanne de Bruijn, die die Dirigentin ebenso energisch wie verletzlich spielt. Doch das dramatische Leben einer talentierten Frau, die an den Konventionen scheiterte, gerät hier zu romantischem Kitsch. Immerhin dürfte der Film Antonia Brico ein wenig posthume Anerkennung verschaffen. Viel muss man über diese Frau gar nicht wissen, um zu erkennen, dass dieser Film ihr nicht gerecht wird.

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