Kritik zu Der geheime Garten

© Studiocanal

Marc Mundens Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Frances Hodgson Burnett ist vor allem eine überbordende Animation eines Paradiesgartens. Der Zauber bleibt dabei auf der Strecke

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Von verwunschenen Gärten, verschlossenen Türen, geheimnisvollen Häusern geht seit jeher eine Magie aus, manchmal auch ein bedrohlicher Zauber. Die Literatur und auch das Kino sind voller solcher Geschichten – Frances Hodgson Burnetts Kinderbuch »Der geheime Garten« aus dem Jahr 1911 gehört dazu. Zuletzt hat die polnische Regisseurin Agnieszka Holland den Klassiker 1993 verfilmt. Nun hat sich der Fernsehregisseur Marc Munden an den Stoff gewagt und dabei die Mittel modernster Animationstechnik voll ausgeschöpft. Der Zauber will sich trotz hübscher Bilder aber nicht so recht entfalten.

Zur Erinnerung: Mary (Dixie Egerickx), ein verwöhntes Reiche-Leute-Kind, wird nach dem plötzlichen Choleratod ihrer Eltern von Indien zu ihrem verwitweten Onkel Lord Archibald Craven (Colin Firth) nach Yorkshire geschickt. Drehbuchautor Jack Thorne verlegt die Handlung aus der viktorianischen Zeit ins Jahr 1947. Warum, mag sich nicht so recht erschließen. Das Haus ist duster und leer, sieht man von  der unfreundlichen Hausdame Mrs. Medlock (Julie Walters) und dem resoluten, wohlmeinenden Hausmädchen Martha (Isis Davis) ab. Der Hausherr lässt sich erst mal nicht blicken. Der Zehnjährigen wird strengstens untersagt in dem riesigen Haus herumzuschnüffeln. Sie tut es natürlich trotzdem und trifft auf ihren Cousin Colin (Edan Hayhurst), der niemals an die frische Luft geht, weil er glaubt, todkrank zu sein. Bei Streifzügen durch die Umgebung trifft Mary außerdem auf einen verfilzten Zauselhund, auf den Nachbarsjungen Dickon (Amir Wilson) und hinter wild verwucherten Mauern auf den geheimen Garten.

Lichtdurchflutet, von dichtem Moos bedeckt, voller bunt blühender Blumen und rankender Pflanzen ähnelt dieser Garten mehr einem hübsch animierten Naturparadies aus der Disney-Welt. Ein Rotkehlchen zeigt Mary den Weg zu einem Versteck. Im krassen Kontrast dazu das zumindest von außen morbide Schlösschen, das statt Grusel eher stylisches Wohnambiente verbreitet. Die Dialoge der Kinder sind anfänglich von einer aggressiven Kratzbürstigkeit geprägt, die weder einleuchtend noch notwendig ist, um die anschließende, wenig überraschende Freundschaft der drei einzuleiten. Denn natürlich erkunden die Kinder wenig später gemeinsam den Garten und stoßen auf das Geheimnis des Todes von Colins und Marys Müttern, die Zwillingsschwestern waren. Und ganz nebenbei holen sie damit auch Lord Archibald aus seiner Trauer. 

Inhaltlich fügen Munden und Drehbuchautor Thorne der Romanvorlage nichts hinzu – das kann man als Respekt vor ­Hodgson Burnett Werk deuten, aber auch als Einfallslosigkeit. Munden will sich auf die Kraft der Bilder und der Animationen verlassen, überfrachtet aber die Geschichte über Freundschaft und Familie, den Umgang mit Tod und Verlust sowie die Suche nach dem eigenen Platz im Leben mit visuellen Effekten. Die sind zwar hübsch anzusehen, verflüchtigen sich allerdings ähnlich schnell wie die sich im Wind verfärbenden Halme im geheimen Garten.

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