Kritik zu Denn dieses Leben lebst nur du
Ein Dokumentarfilm über Transmenschen auf dem Land und die Herausforderungen durch ihr Umfeld.
Die Einstellung zu Transmenschen ist nicht nur bei manchen Frauenbewegten oder Rechtsextremen feindselig. Auch im ländlichen Raum gehört einiges an Mut dazu, als ehemaliger Mann im Kleid zur Arbeit oder bei der Familienfeier zu erscheinen. Das spürt auch Melina, die als »Frau mit transidentem Hintergrund« (so die Selbstbezeichnung) am Bodensee lebt und nach ihrer Transition von den (männlichen) Kollegen in der Fabrik gemobbt wird. Auch ihre Familie und die ihrer ebenfalls trans lebenden Partnerin haben sich abgewandt. Nur Bäcker Stefan ist aufrichtig neugierig auf intimste Details, wenn die extrovertierte Vierzigerin anschaulich von ihrer Penis-OP oder dem Sexleben danach berichtet.
Elisabeth wurde mit Penis und Vagina geboren, durch frühe Eingriffe aber medizinisch zum Mann gemacht. Erst mit 52 hat sich die Handwerkerin nach jahrelangen heimlichen transvestitischen Eskapaden als intersexuell geoutet und – wieder mit der Medizin – zur Frau gemacht. In der Musikkapelle des Örtchens fühlt sie sich mit ihrer Trompete seitdem nicht mehr willkommen. Gabriel hieß früher Eva und nimmt es mit dem Muskelaufbau im Sportstudio und Ausdauertraining in der schönen Landschaft um Bad Waldsee sehr ernst. Er hatte schon früh mit dem weiblichen Körper gehadert und jahrzehntelange Psychotherapie hinter sich, bevor er sich zur Transition entschloss. Jetzt lebt er mit der heterosexuellen Claudi zusammen und hat sich auch mit der einst ablehnenden Mutter versöhnt.
Der Film von Douglas Wolfsperger erzählt mit Empathie vom langen Leiden und den spät getroffenen Entscheidungen seiner ProtagonistInnen: Während Gabriel differenziert über seine Erfahrungen als Frau und soziale Vorgaben erzählen kann, bleiben die Aussagen der Transfrauen jenseits des direkt Sexuellen eher allgemein und werden filmisch mit gefühligen Inszenierungen oder illustrativer Musik aufgeladen. So ist Wolfspergers Film weniger Reflexion einer gesellschaftlichen Situation als Appell für Selbstbestimmung und gegen Bigotterie.





Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns