Apple TV: »Maximum Pleasure Guaranteed«

»Maximum Pleasure Guaranteed« (Serie, 2026). © Apple TV

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Als eine Mutter in Nöten auf eigene Faust einem Betrüger das Handwerk legen will, verliert sie die Kontrolle

Menschen, die um den Halt im Leben ringen und sich dabei in Situationen manövrieren, in denen sie an ihre Grenzen stoßen und aus denen es kein sauberes Entkommen gibt, liefern in der Regel die spannendsten Stoffe. Dass solche Antihelden in der (Midlife-)Krise männlicher Gestalt sind, verstand sich lange von selbst. Doch in jüngster Zeit dürfen auch immer mehr Frauen auf moralischen und anderen Abwegen unterwegs sein, und nicht lange nach »Vladimir« bei Netflix zeigt sich nun auch bei Apple TV mit »Maximum Pleasure Guaranteed«, dass diese neue Tendenz für das Publikum ein echter Gewinn ist.

Protagonistin der von David J. Rosen erdachten zehnteiligen Serie ist Paula (Tatiana Maslany), in deren Leben es mäßig rund läuft. In ihrem Redaktionsjob ist sie als Faktencheckerin und Korrektorin eine Klasse für sich, doch die in Aussicht gestellte Beförderung lässt seit Langem auf sich warten. Was auch deswegen ärgerlich ist, weil sie als frisch geschiedene Mutter eines aufgeweckten Mädchens mehr Geld gut gebrauchen könnte. Für eine teure Fußballausrüstung und die Miete im neuen Apartment genauso wie für ihren Anwalt, denn Ex-Mann Karl (Jake Johnson) will mit seiner neuen Frau ans andere Ende des Landes ziehen und fordert plötzlich das Sorgerecht.

Wer könnte es Paula verübeln, dass sie hin und wieder ein wenig Ablenkung online sucht, bevorzugt mit dem niedlichen Camboy Trevor (Brandon Flynn), den sie im Videochat nicht nur für Sex, sondern auch für offenherzige Gespräche bezahlt. Als sie bei laufender Kamera Zeugin eines brutalen Überfalls auf den jungen Mann wird, ahnt sie, dass die Sache ein Betrugsversuch ist. Weil die Polizei in Gestalt von Detective Gonzalez (Dolly de Leon) keine große Hilfe ist, versucht Paula auf eigene Faust Trevors Identität herauszufinden. Findig wie sie ist, macht sie bald Fortschritte. Doch als sie vor seiner Tür steht, macht sie eine Entdeckung, die sie und ihr Umfeld erst richtig in die Bredouille bringt.

Dass diese Inhaltsbeschreibung lediglich die erste Folge umfasst, ist nicht nur der bei dieser Serie großen Spoiler-Gefahr geschuldet. Es lässt sich auch gut erahnen, welch halsbrecherisches Tempo hier vorgelegt wird, nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass jede Episode nur rund eine halbe Stunde lang ist. Und selbst wenn es im Verlauf dann doch mal zu winzigen Hängern kommt, staunt man, wie weit »Maximum Pleasure Guaranteed« viele vergleichbare Produktionen der letzten Zeit in Sachen Rasanz und Kurzweil abhängt.

Verantwortlich dafür ist der recht ungestüme Genre-Mix in den clever geschriebenen Drehbüchern, der dafür sorgt, dass die Serie mitunter im Minutentakt von einer bösen Komödie zu einem packenden Drama und dann wieder zum brutalen Thriller wechselt. Zudem besticht sie durch ein herausragendes Ensemble, das rund um die exzellente (und trotz des Emmys für »Orphan Black« chronisch unterschätzte) Maslany geschickt bewährte Charakterköpfe wie Murray Bartlett und unverbrauchte Gesichter wie Kiarra Goldberg und Charlie Hall kombiniert.

OV-Trailer

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