Kritik zu Das Hausmädchen

© Alamode

2010
Original-Titel: 
Hanyo
Filmstart in Deutschland: 
21.04.2011
L: 
106 Min
FSK: 
16

Im sexy Remake eines koreanischen Filmklassikers von 1960, in dem ein verführerisches Hausmädchen eine Familie bedroht, sind die Rollen abgeändert

Bewertung: 3
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Liest die gut ausgehaltene Gattin hier tatsächlich Simone de Beauvoirs Emanzipationsklassiker »Das andere Geschlecht«, während das Hausmädchen im Hintergrund feudelt? Claude Chabrol würde solche expliziten Interpretationshilfen in seinen gesellschaftskritischen Filmen nie auslegen. Doch dieser koreanische Genrefilm ist so direkt wie die Faust ins Auge. Anfangs kommt er wie ein Konzentrat aus Claude Chabrols und Hitchcocks galligsten Momenten daher. Unverblümt wird das Zusammenspiel von Geld, Macht, Sex, kurz: die Geschlechterökonomie demonstriert.

Eun-yi wird als Kindermädchen einer sehr reichen Familie engagiert. Die graue Eminenz des Haushaltes ist die langjährige Hausdame Mrs. Cho. Sie weiß alles, sieht alles, hasst ihre Herrschaft inbrünstig, erfüllt ihre Pflichten aber tadellos. Demnächst wird Hausfrau Haera Zwillinge gebären; bis dahin muss sich Eun-Yi um die kleine Tochter kümmern, die noch mehr sieht und weiß und für ihr neues Kindermädchen nichts Gutes ahnt. Der attraktive Hausherr Hoon agiert denn auch wie ein Feudalherrscher und legt sich bald zu Eun-yi ins Bett, bzw. lässt sie vor ihm auf die Knie gehen. Nun tritt die Schwiegermutter auf den Plan, die in Mrs. Cho eine heimliche Spionin hat. Die Hausdame weiß von Eun-yis Schwangerschaft, noch bevor das Mädchen selbst sie bemerkt. Angesichts der Erbenkonkurrenz will die Schwiegermutter ihre Pfründe mit allen Mitteln verteidigen.

Dienstpersonal in Stöckeln und kurzen Röcken, Kronleuchter als Todesfallen, dekorierte Frühstücksmenüs, eine Edel-Espressomaschine, für die mancher seinen rechten Arm geben würde, ein sexy Patriarch, der auf dem Flügel Beethoven spielt und dem die Frauen des Hauses beim morgendlichen Abschied Spalier stehen: es ist einfach herrlich, mit wie viel Sorgfalt und kundigem Detail dieses fiese Psychodrama den goldenen Käfig ausschmückt. Die exklusive Villa wird zu einem mit Hochkultur, Luxus und Erotik aufgeladenen, alptraumhaften Treibhaus. Vier Frauen kreisen um einen allmächtigen Versorger und kämpfen außerhalb seines Gesichtsfeldes ohne moralische Skrupel um Einfluss.

Im Originalfilm von 1960 war das Dienstmädchen die Böse, verführte den Herrn des Hauses und stellte eine Bedrohung für die heile Familie dar. In diesem geschmackvoll aufgesexten Remake, von schwarzem Humor durchzogen, sind die Rollen abgeändert; bald ist klar, dass die glückliche Familie Fassade ist und Liebe durch weibliche Realpolitik ersetzt wird. Wieviel Geld ist eine Abtreibung wert? Wie lautet die Kosten-Nutzen-Rechnung für das Ertragen männlicher Untreue? Diese Fragen treten im letzten Filmdrittel leider in den Hintergrund zugunsten grotesk entgleisender Ereignisse. Ein Schwachpunkt ist auch die unterbelichtete Hauptfigur Eun-yi. So erweist sich Doppelagentin Mrs. Cho, die der einflussreichen Familie verpflichtet ist und zugleich das gutherzige Mädchen schützen will, als deus ex machina dieses, trotz Makeln ebenso eleganten wie erfrischenden Camp-Thrillers.

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