Kritik zu Das gewisse Etwas
Marc Rothemunds Remake einer französischen Erfolgskomödie über ein Ganovenduo, das sich in eine Reisegruppe von Menschen mit Behinderung schmuggelt, ist weniger spritzig, aber dennoch unterhaltsam.
Ein Vater-Sohn-Ganovenduo strandet nach dem Überfall auf ein Juweliergeschäft auf der Flucht vor der Polizei bei einem abfahrtbereiten Ferienbus. Darin wartet eine ausgelassene Truppe von jungen Menschen mit geistiger Behinderung samt drei Betreuern auf den letzten Passagier. Als Betreuerin Polly in Alex den Nachzügler zu erkennen glaubt, ergreift dessen Vater Karlo die Chance. Sich selbst als unverzichtbaren Betreuer ausgebend, nötigt er den widerstrebenden Alex, eine geistige Behinderung zu mimen, mit lallendem Sprechen, bedepperter Miene und häufigem Toilettendrang – und schmuggelt sich so in die Reisegesellschaft ein.
Können zehn Millionen Zuschauer irren? So viele Franzosen sahen nämlich das Original »Un p’tit truc en plus«. In Frankreich der meistgesehene Film des Jahres 2024 und der erfolgreichste der letzten zehn Jahre, fand er in Deutschland mit dem Titel »Was ist schon normal?« nur 150 000 Zuschauer. Französische Erfolgskomödien sind eben trotz Kassenhits wie »Willkommen bei den Sch’tis« und »Monsieur Claude und seine Töchter« nicht automatisch Exportschlager. Andererseits haben deutsche Remakes etwa der französischen Sittenkomödien »Der Vorname« und »Das perfekte Geheimnis« die Marke von einer Million Zuschauer locker geknackt. Eine Neuverfilmung lag also nahe.
Das eher hölzerne Spiel von Hauptdarsteller Max von der Groeben als Alex kann der parodistischen Verve von Comedian Artus, der im Original Regie und Hauptrolle übernahm, jedoch nicht das Wasser reichen. Allerdings »saß« Artus auch gewissermaßen auf seiner Rolle des geplagten Fake-Behinderten, hatte er doch – ein Insiderwitz des Films – für seine Bühnenshow einen Menschen mit Downsyndrom als Kunstfigur entworfen.
Im Deutschen aber wird der gepfefferte Ton des Originals heruntergedimmt, obwohl es Regisseur Marc Rothemund gelingt, die quirlige Club-Med-Atmosphäre dieses Sommerurlaubs in einem Ferienheim in den Bergen nachzuempfinden. Beruhte im Original ein Gutteil des Humors auf dem authentischen Charme der Laienschauspieler, die sich selbst spielten und eigene Gefühle und Ideen einbrachten, so fehlt den deutschen Darstellern (von denen einige bereits im TV-Drama »Weil wir Champions« sind über eine Basketballmannschaft zu sehen waren) beim wortwörtlichen Zitieren des Originaldrehbuchs der improvisatorische Schwung. Blass bleibt zudem wie im Original der Charakter der engelsguten Betreuerin (Mala Emde), in die sich Alex verliebt.
So vorhersehbar das Drehbuch ist, so entwickeln sich in der Interaktion von echter und gespielter geistiger Behinderung, Liebesgeschichte und Vater-Sohn-Konflikt dennoch rührende Aha-Erlebnisse. Mit mal tiefergelegtem und mal abgefeimten Humor, jedoch weitgehend frei von Sentimentalität, wird die Bildung einer Wahlfamilie glaubhaft gemacht, in der jeder Macken haben darf und seinen Platz findet.





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