Kritik zu The Dark Knight

© Warner Bros.

2008
Original-Titel: 
The Dark Knight
Filmstart in Deutschland: 
21.08.2008
S: 
L: 
142 Min
FSK: 
16

Von weißen Westen, schwarzen Seelen und dunklen Rittern: Christopher Nolan setzt mit Anspielungen aufs aktuelle Zeitgeschehen fort, was er mit »Batman Begins« vor drei Jahren begann

Bewertung: 3
Leserbewertung
5
5 (Stimmen: 1)

Im Zentrum von »Dark Knight« steht eine Szene, die in den Medien wahrscheinlich viel diskutiert werden wird, wobei ihre Aufdringlichkeit gleichzeitig denken lässt, dass sie genau zu diesem Zweck eingefügt wurde. Der teuflische Joker (Heath Ledger) hat zwei Menschen in seine Gewalt gebracht: Gotham Citys beliebten Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) und seine Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal). Rachel war einst die Geliebte des Milliardärs Bruce Wayne (Christian Bale) und gehört zu den wenigen, die wissen, dass Wayne der Mann ist, der im Innern von Anzug und Maske des selbst ernannten Schutzpolizisten Batman steckt. Am Ende einer furiosen Autoverfolgungsjagd, die zu den raffinierten Actionhöhepunkten des Films zählt, fällt Joker in die Hände von Batman – und dieser setzt nun an, ihn zu foltern, um den Aufenthaltsort der Geiseln aus ihm herauszupressen. Joker, der selbst erklärte »Chaos-Motor«, lässt Batman in dem Moment, als der auf ihn einschlagen will, wissen, dass er nun »die eine Regel« verletzt, die er doch nie brechen wollte. Die Regel ist: Helden verhalten sich heldenhaft.

Später wird Batman noch einmal gegen diese goldene Regel verstoßen. Im verzweifelten Versuch, Jokers neuestes Zeitbombenszenario zu vereiteln, bedient er sich einer experimentellen Technologie, um sämtliche Mobilfunkgespräche der Stadt mitzuhören. Sowohl die Folterszene als auch die Abhörszene schaffen Verbindungslinien aus der reinen Fantasiewelt des Films heraus in die aktuelle politische Lage, in der die USA (selbstverständlich die »good guys«) sich in einen Sicherheitsstaat verwandelt, der laut seiner Führer gezwungen ist, Gefangene zu foltern und Bürger auszuspionieren, um Terroristen an ihrem Zerstörungswerk zu hindern. Allerdings ergibt sich aus diesen hochaktuellen Anspielungen des Films am Ende lediglich eine Art feierliches Geplapper, das den unverständlichen Reden gleicht, die Dent in der zweiten Hälfte des Film hält – nachdem ihm Traumatisches zugestoßen ist.

Tatsächlich zeigt »Dark Knight« den Blockbuster als Spiel mit leeren Symbolen, wobei Batman und Dent die leersten davon sind: der »dunkle Ritter«, der sich vor Dilemmata gestellt sieht, und der »weiße Ritter«, dessen Reinheit um jeden Preis bewahrt werden muss, und sei es als Werbefiktion, auf dass die Öffentlichkeit von Gotham City nicht den Glauben verliert an ihr eigenes Gutsein. Die Sorge darüber scheint allerdings fehl am Platz, denn »Dark Knight« zeigt auch das kraftvolle Gegenmittel, das die imaginäre Tugendhaftigkeit – die natürlich zugleich die seines wichtigsten Markts, des amerikanischen Massenpublikums ist – am Leben hält.

Das Gegenmittel kommt im »Poker um die zwei Boote« zur Geltung: Joker verkündet den Passagieren zweier Fährboote, dass er auf beiden Bomben platziert habe, wobei jedes Boot den Detonator für die Bombe auf dem anderen erhält. Regisseur Nolan schneidet zwischen Szenen auf beiden Booten hin und her, stetig die Spannung steigernd bis zu jenem Moment, der auf geschickte Weise das Gegengewicht bildet zur »konservativen« Folterszene: Ein Schwarzer, der zu einer Gruppe fies ausse­hender Inhaftierter gehört, entreißt der zögerlichen Besatzung den Detonator und wirft ihn in den Fluss. Woraufhin auch die Passagiere des anderen Boots das grausame Spiel des Joker verweigern.

Zusammen mit der Folterszene und den Reden über Rechte und Pflichten eines Helden, über das, was die Menschen von Gotham »brauchen« im Unterschied zu dem, was sie »verdienen«, und so weiter, gehört die Boots­szene allerdings zum schlechteren der zwei Filme, die »Dark Knight« bei über zweieinhalb Stunden Länge mühelos in sich vereint. Dabei ist der erste Film gut gespieltes und präzise inszeniertes Unterhaltungskino. Regisseur Nolan gebührt Lob dafür, dass er der Versuchung widerstanden hat, den Film mit einer schwerfälligen Film-noir-Stilisierung zu überfrachten. Beim zweiten Film allerdings handelt es sich um eine reichlich aufgeblasene, prätentiöse und zusammenhangslose Meditation über »Die großen Fragen unserer Zeit«, besser gesagt: über das, auf das diese Fragen nach ihrer Übersetzung in die simplen Begriffe der Unterhaltungsindustrie reduziert werden: eben die eines Blockbuster-Sequels, in dem ein kostümierter Superheld das »Gute« repräsentiert, während ein finsterer Erzterrorist das große Böse vertritt.

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