Kritik zu Blue Bayou

englisch © Focus Features

Justin Chon engagiert sich gegen das Unrecht der Deportation von auslandsadoptierten Kindern – und spielt unter eigener Regie gleich selbst ein Paradebeispiel 

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Er hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt und die Hauptrolle hat er auch gleich noch übernommen. Wie um sicherzustellen, dass die Botschaft ganz bestimmt unverfälscht beim Publikum ankommt. Unverfälscht heißt hier: mit voller Härte! So, dass es kracht im Gebälk und die Zuschauerschaft in die Knie geht. Denn die melodramatischen Magenschwingerszenen, die Justin Chon vor allem gegen Ende von »Blue Bayou« aneinanderreiht und aufeinandertürmt, die hauen noch den ärgsten Zyniker um. Sie schlagen aber auch jene in die Flucht, die es nicht mögen, wenn auf ihr inneres Gefühlsklavier, anstatt es sanft zu bespielen, eingedroschen wird. Manipulation mit dem Holzhammer resultiert halt weniger in Erkenntnis als vielmehr in einem Brummschädel.

Doch die Botschaft ist sooo wichtig!, sagt da Justin Chon, respektive vermittelt sein Film diesen Eindruck und hat damit auch recht. Der Missstand, der in »Blue  Bayou« aufs Korn genommen wird, stinkt zum Himmel. Und die Öffentlichkeit muss davon erfahren, damit sie sich empören und das Unrecht unterbinden kann. Nämlich jene Spitzfindigkeit im US-amerikanischen Adoptionsrecht, derzufolge Adoptivlinge aus dem Ausland, für die von ihren Adoptiveltern kein Antrag auf Einbürgerung gestellt wurde und die vor dem Jahr 2000 18 Jahre alt geworden sind, abgeschoben werden können. Gleich, ob sie nahezu ihr ganzes Leben in den USA verbracht haben oder nicht.

Im vorliegenden Fall trifft dieser verwalterische Unfug stellvertretend Antonio LeBlanc, unseren Helden. Er wurde als Kleinkind aus Korea in die USA adoptiert, hatte mit seinen Eltern kein Glück, geriet auf die schiefe Bahn, fing sich wieder und wurschtelt sich nun mit seiner schwangeren Frau, einer Amerikanerin, und deren Tochter aus erster Ehe eben so durch. Bis ihn irgendein Kinkerlitzchen auf den Radar der Fremdenpolizei geraten lässt, er einen Abschiebebescheid erhält und die gesamte prekäre Existenz der kleinen Patchworkfamilie förmlich explodiert. Denn natürlich brechen nun alte Wunden wieder auf, kehrt das Verdrängte zurück; Antonio muss sich den Erinnerungen an seine unglückliche Kindheit stellen, sich mit seiner kulturellen Entwurzelung konfrontieren, nach einem Ausweg suchen. Er muss seine Frau und seine kleine Stieftochter beruhigen, muss Geld beschaffen, um den Anwalt zu bezahlen, muss die eigene Verzweiflung in Schach halten. Und sofort.

Chons Drehbuch kennt keine Gnade und häuft immer neue Schwierigkeiten auf den Schmerzensmann, die dieser selbst dann noch tapfer zu schultern versucht, als er längst schon unter ihnen begraben ist. »Blue Bayou« ist nicht nur ein schlichtes Message-Movie, sondern eine ausgewachsene Passion. Aufrichtig empfunden, engagiert gespielt und in farbenreich-dynamische Bilder gesetzt: Es ist geradezu einschüchternd, mit welcher Entschiedenheit die Beteiligten zu Werke gehen; so dass einem in letzter Konsequenz gar nichts anderes übrig bleibt, als zu kapitulieren. 

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