Kritik zu Berlin, I Love You

© Warner Bros. Pictures

Und immer wieder »Der Himmel über Berlin«: Die »Cities of Love«-Serie macht in der deutschen Hauptstadt halt

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So schlecht ist die Idee gar nicht, ein paar Regisseure und Schauspielstars anzuheuern, um sie Kurzfilme in und über eine Stadt drehen zu lassen und die dann zu Spielfilmlänge zusammenzuschneiden. Der französische Filmproduzent Emmanuel Benbihy hat daraus ein Franchise kreiert, das mangels Erfolg nie besondere Popularität erlangte und trotzdem weitergeführt wird. 2006 mit »Paris, je t'aime« begonnen, gab es »New York, I Love You«, gefolgt von Tiflis, Rio und Shanghai. Rotterdam ist angekündigt. Eine russische Version, »Moscow, I Love You«, lief unter anderer Produzentenflagge. Außer vielleicht der Paris-Ausgabe hat keines dieser Werke weitere Kreise gezogen, was eigentlich schade ist. Denn wie gesagt: So schlecht ist die Idee doch gar nicht!

Oder doch? »Berlin, I Love You« mit seinen neun Geschichten, die von einer zehnten eingerahmt und übergeleitet werden, tut jedenfalls nichts dazu, dem Genre Leben einzuhauchen. Auch wenn das Ergebnis nicht so schlimm und gentrifizierungsverherrlichend ausfällt wie nach der Veröffentlichung des Trailers im Februar befürchtet. Dagegen, dass die Geschichten oft von Nicht-Berlinern, von Touristen und anderen Zugereisten handeln, ist überhaupt nichts zu sagen, schließlich sieht man deshalb Helen Mirren und Keira Knightley als Mutter-Tochter-Paar agieren, während Mickey Rourke in einer Hotelbar eine junge Frau anmacht und ­Diego Luna sich als Dragqueen durch die Stadt träumt.

Viel unverzeihlicher an »Berlin, I Love You« ist der Überhang der Storys, die eigentlich überall spielen könnten, wie die vom unglücklichen jungen Mann, der nach Berlin kommt, um zu sterben, dann aber vom Navi seines neuen BMW gerettet wird. Eine Figur, die sagt: »Ich zeig' dir mein Berlin« kann man als sicheren Hinweis dafür lesen, dass der Plot einst für Odessa erfunden wurde. Noch schlimmer sind da nur noch die Storys, die mit naivem Erfinderstolz Berlin-Klischees vorführen, wie eben die Rahmengeschichte, in der zwei Straßenkünstler sich näherkommen, sie eine Sängerin aus Israel, er ein Deutscher in »Himmel über Berlin«-Verkleidung. Aber am schlimmsten ist – wie zäh das alles daherkommt.

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