Kritik zu Benda Bilili!

© Kool

Die wahre Geschichte einer etwas anderen Band oder wie ein paar von Polio und anderen Notlagen gezeichnete obdachlose Musiker es von den Straßen Kinshasas bis zum Welterfolg schaffen

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Mit entspanntem Gelächter amüsieren sich die Musiker von Staff Benda Bilili über ihre schnellen Gitarrenriffs; die wilde Mischung aus James Brown, Bob Marley, Fela Kuti und ihrem eigenen originellen Afrobeat macht gute Laune. Ricky, Coco, Théo Coude, Roger, Junana und die anderen geben sich wie alle musikalischen Genussmenschen und sind doch anders. Ein ausrangiertes Zoogelände ist ihr Open-Air-Probenraum, die Auftritte finden im glühbirnenarmen Nachtlicht auf der Straße statt und einer der mitreißenden Songs besingt ihr wichtigstes Lebensrequisit, den Karton nämlich, auf dem sie im Moloch von Kinshasa »schlafen, leben, lieben«.

Armut ist nicht das einzige Handikap der Band. Unendlich schwerfällig bewegt sich der Zug der Musiker durch die zerwühlten erdigen Fahrspuren der unasphaltierten Slumstraßen. Geschoben von Shégués, elternlosen Straßenkindern, die sich ein wenig Geld verdienen, rumpeln sie in abenteuerlich zusammengebauten dreirädrigen Rollstühlen durch den roten Lehm. Staff Benda Bilili ist eine Band der Polio-Behinderten, von denen es viele in der Hauptstadt der Republik Kongo gibt. Man schlägt sich durch, jobbt als Schneider, Schuhputzer, Straßenverkäufer, verliert noch das letzte Hab und Gut bei einem Brand der Notunterkunft. Aber keiner lässt sich von solchen Rückschlägen entmutigen.

Der Dokumentarfilm »Benda Bilili!« ist keine Elendsklage. Er schildert im Gegenteil, wie die Musik hilft, das harte Leben auszuhalten, wie dank der Hartnäckigkeit des Bandgründers Ricky trotz aller Hindernisse der Traum von der Professionalisierung wahr wird und schließlich sogar der Durchbruch zur internationalen Karriere mit einem Auftritt beim Eurockéennes-Festival in Belfort 2009 gelingt. Die Filmemacher begegneten Ricky und seinen Straßenmusikern zufällig, als sie 2004 einen Film über die Folgen des Bürgerkriegs in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt am Kongo-Fluss drehten. Über fünf Jahre begleiteten sie das Auf und Ab der Bandgründung, filmten den Alltag der Protagonisten und versuchten parallel zu anderen Projekten Geld für Studioaufnahmen aufzutreiben – die erste Voraussetzung zu einem möglichen Erfolg in Europa. Die Bilder ihres Films beruhen auf einer von Sympathie und Diskretion geprägten Nähe, die sich in dieser langen Zeit herausbildete, und zeigen die unbekannte Welt ohne Freakshow-Voyeurismus und glättende Kunstlichtästhetik.

Eine der zentralen Episoden erzählt Rickys Begegnung mit Roger, einem verschlossenen Teenager, der vor seiner psychisch kranken Mutter nach Kinshasa durchbrannte und sich dort mit seinem selbst gebauten Instrument zum Wunderkind entwickelt. Mit einer einzigen, an einem gebogenen Holz befestigten Drahtsaite entlockt er einer alten Konservendose seltsam sirrende scharfe Töne. Benda Bilili! schildert die Annäherung des Kindes an die impulsive Truppe, die ersten gemeinsamen Proben und Pannen, den wunderbaren Ernst, mit dem Roger die Chance zum Lernen genießt und am Ende in seine Rolle in der Band hineinwächst.

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