Kritik zu Beim ersten Mal

© Universal Pictures

Der Slacker und die Schöne: Erfolgskomödie von Judd Apatow

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Er ist ein sympathischer Chaot mit roten Löckchen und gemütlichen Marshmallow-Formen, hat kein Geld, aber viel Spaß in seiner Kiffer-WG, mit der er an der Website »Flesh of the Stars« bastelt, die Nacktszenen von Promis sammelt. Klar, bald werden sie damit groß rauskommen. Sie ist eine blonde TV-Mieze, hübsch, nett und brav, und lebt bei der Familie ihrer Schwester. Als Alison unerwartet zur Live-Reporterin befördert wird, will sie mal einen draufmachen, trifft in einer Bar den lustigen Ben, und Stunden später landen sie im Bett. Am Morgen danach der Kater: Alison zieht eine kleine Grimasse beim Anblick seines wabbligen Hinterns in ihren Laken. Nach einem gemeinsamen Proforma-Frühstück geht zumindest sie erleichtert ihrer Wege..., um acht Wochen später festzustellen, dass sie schwanger ist. Und sich nach zwei Monaten wieder bei dem Loser melden muss. Die beiden raufen sich zusammen und werden ein Paar. Hallo?

Vergiss den Märchenprinz, Mädel: »This is the geek's fantasy, after all, not the princess's«, konstatierte der Filmkritiker der New Yorker »Village Voice«, um danach in einem langen Aufsatz zu begründen, warum ein unheimlich netter Typ wie Hauptdarsteller Seth Rogen eine Frau wie Katherine Heigl verdient hat. Die fast einhellige Begeisterung von Filmkritik und Publikum in den USA (und auch der deutschen Filmbewertungsstelle) für diese kleine Schwangerschaftskomödie, die bis jetzt 150 Millionen Dollar erlöste, sollte misstrauisch stimmen.

Es ist nicht so, dass es Judd Apatow, Schöpfer der wunderbaren Komödie »Jungfrau (40), männlich, sucht...« nicht gelungen wäre, sein Familiengründungsabenteuer mit viel Humor zu versehen. Von den zotigen Gags der lustigen WG-Zwerge bis zu treffsicheren Alltagsdramoletten zwischen Büro, Ultraschall und Sex mit dickem Bauch gibt es konstant etwas zu lachen. In originellen Nebenrollen treten zum Beispiel neben einem Cameo von Jungfrau-Star Steve Carell auch Harold Ramis als Bens ratgebender Vater auf, der alles, aber nichts Genaues weiß. Apatow wirft seine ganze Familie in die Waagschale – seine Gattin Leslie Mann als die an ihrem Mann herumnörgelnde Schwester Debbie nimmt die mögliche Zukunft von Alisons Beziehung vorweg, und Debbies todniedliche Töchter, die Alisons Galan am Frühstückstisch ein Loch in den Bauch fragen, sind Apatows eigene Kinder – und zeigt, warum sich Reproduktion lohnt. Zu guter Letzt beflügelt Alisons sich rundender Bauch sogar ihre Karriere.

Dennoch bleibt zumindest beim weiblichen Zuschauer das nagende Gefühl, dass die hübsche Verpackung ein deprimierendes Nichts verhüllt. Dass zwei nette Menschen, die im Alkoholrausch gevögelt, sich aber sonst nichts zu sagen haben, plötzlich wie zwei Magneten zusammenstreben, ist hier nur als Filmkonvention akzeptabel. Asymmetrische Beziehungen, wie sie der struwwelige Berufsjugendliche Ben und die schöne, aufgeräumte Alison eingehen, sind sonst meist auf Filme für eine taschengeldstarke männliche Zielgruppe beschränkt; hier scheinen sie auch einer konservativen Moral geschuldet, nach der ein ungeliebter Kindsvater immer noch besser ist als gar kein Kindsvater. Auch die realitätsnah-erwachsene Inszenierung beißt sich mit verquerem Puritanismus: Ohne Tabus werden intimste Geburtsszenen gezeigt, doch beim Sex ist stets der BH im Bild. Und im Gegensatz zum lockeren Seth Rogen als Ben, der sich ohne sichtbare Qualen vom Lebenskünstler zum Büroangestellten wandelt, wirkt Katherine Heigl als seine zukünftige Partnerin meist still frustriert. Wahrscheinlich ahnt sie, dass sie mit Ben als Lebenspartner nicht ein, sondern zwei Kinder bekommt. Einer Fortsetzung »Beim ersten Mal, Teil 2: Die Scheidung« dürfte wenig im Wege stehen.

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