Kritik zu Barry Seal – Only in America

© Universal Pictures

2017
Original-Titel: 
American Made
Filmstart in Deutschland: 
07.09.2017
R: 
Musik: 
A: 
FSK: 
Ohne Angabe

Doug Liman verwandelt das Zusammen­wirken von CIA und kolumbianischem Drogenhandel in einen leichtfüßig-nostalgisch angehauchten Thriller über die guten alten 80er Jahre

Bewertung: 3
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Ein roter Faden oder gar eine unverwechselbare Handschrift, die sich durch die Filme von Doug Liman ziehen würden, waren in den vergangenen 20 Jahren kaum auszumachen. Mit »Swingers« wurde er 1996 zum für Leichtfüßigkeit gefeierten Star des Independent-Kinos, mit »Die Bourne Identität« beeinflusste er sechs Jahre später nachhaltig und dauerhaft das Actionkino, und sein Politthriller »Fair Game« konkurrierte sogar in Cannes um die Goldene Palme. Doch nun scheint »Barry Seal – Only in America« für den Regisseur (der in diesem Jahr auch schon den Kriegsfilm »The Wall« in die US-Kinos brachte) ein Versuch zu sein, all seine unterschiedlichen Interessen und Stilvorlieben in einem einzigen Film zu vereinen.

Als Vehikel dafür dient ihm eine wahre Geschichte, die eindeutig in die Kategorie »Das würde man keinem Drehbuchautor abkaufen« fällt. Barry Seal (Tom Cruise) verdient sich als Pilot von Passagierflugzeugen in den späten 70er Jahren mit kleinen Schmuggeleien etwas dazu, wodurch die CIA (in Gestalt von Domhnall Gleeson) auf ihn aufmerksam wird. Doch statt ihn zu verhaften, heuert der Geheimdienst ihn an, um seine Flugkünste gewinnbringend bei verdeckten Operationen in Süd- und Mittelamerika einzusetzen. Seal allerdings merkt schnell, dass sich für ihn noch ganz anderer Gewinn machen lässt: Kaum hat er nämlich die Waffen für die Kontrarevolutionäre abgeliefert, kann er schließlich für den Rückweg gen Heimat Drogen für das Medellin-Kartell ins leere Flugzeug packen. Seals vom kleinen Örtchen Mena in Arkansas aus betriebene Geschäfte florieren eine ganze Weile lang prächtig. Doch auf Dauer lassen sich natürlich weder CIA noch Drogenbarone an der Nase herumführen, zumal der Regierung Reagan zusehends die Iran-Contra-Affäre um die Ohren zu fliegen beginnt.

Mit »Barry Seal« vereint Liman nicht nur Humor, Action und Politik in einer unerwartet leichtfüßigen Erzählung, sondern springt obendrein auf einen Zug auf, der schon seit einer ganzen Weile durch die amerikanische Popkultur rast. Filme über Antihelden, die mit Charme und Draufgängertum nach dem großen Geld greifen und dabei einen nostalgisch geprägten Blick zurück auf die jüngere US-Geschichte bieten, die verglichen mit der heutigen Weltlage so viel unkomplizierter erscheint, gab es zuletzt häufiger. Das typische Tom-Cruise-Strahlen steht dem Antiheldentum zwar mitunter ein wenig im Weg, doch insgesamt ist dieser für eine Studioproduktion ungewöhnliche, weil nicht für Fortsetzungen taugende Film erfreulich kurzweilig.

Leider ist Doug Liman so sehr damit beschäftigt, ja keinen Beteiligten (zu denen natürlich auch das FBI, Pablo Escobar, George H. W. Bush, Manuel Noriega sowie Seals Ehefrau samt Verwandtschaft gehören) dieser abenteuerlichen Machenschaften zu ignorieren, so dass keine Zeit bleibt, auch mal tiefer zu schürfen. Was schade ist, denn sowohl den Menschen Barrry Seal als auch die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge hätte man gerne noch besser verstanden.

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