Kritik zu Bank Job

© Kinowelt

Es war der größte Bankraub in der britischen Geschichte, mit einer ungleich größeren Beute als bei den legendären Posträubern mit ihrem Zugraub. Dennoch ist vom »Walkie-Talkie-Raub« bislang sehr viel weniger bekannt

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Jetzt hat das Autorenduo Dick Clement und Ian La Frenais, im Gangsterfilmgenre (»Villain«, 1971) ebenso zu Hause wie in der Komödie (»Still Crazy«, 1998) und auch retromäßig beschlagen (zuletzt Julie Taymors »Across The Universe«), den Bankraub, der 1971 in London stattfand, zu einem Film verarbeitet, der einerseits klassisches Genrekino ist und andererseits der weltmännischen Eleganz, die durch »Ocean’s Eleven« die Gattung des big caper movie in den letzten Jahren definiert hat, eine Alternative entgegensetzt: Statt elektronischer Gadgets ist hier noch schweißtreibende Handarbeit gefragt.

»Bank Job« bedient sich der klassischen Elemente des Genres, von der Cleverness des Teams, das hier einen Tunnel gräbt und damit von unten in den Tresorraum eindringt, über die Amateurhaftigkeit vieler der Beteiligten, darunter eines Fotografen, der eher Pass- als Modefotos schießt, und eines Schauspielers, der vom Pornofilm zur TV-Serie aufgestiegen ist, bis hin zur problematischen Zeit nach dem erfolgreichen Unternehmen und einem Finale, bei dem auf populistische Art der Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Die Qualität des Films, das, worin er neue Akzente setzt, liegt dabei darin, dass er die Bankräuber nicht als autonome Individuen zeigt, sondern als Handlanger – ihr Einbruch dient in Wirklichkeit dazu, belastendes Material aus einem der Schließfächer in die Hände des britischen Geheimdienstes zu bringen. Denn auf diesen Fotos ist ein Mitglied des britischen Königshauses, Prinzessin Margret, bei einer Orgie zu sehen. Besitzer des Schließfaches ist eine schillernde Figur namens Michael X, ein farbiger Zuhälter und Krimineller,  der sich als politische Größe geriert und dem die Fotos Immunität vor dem Zugriff der Polizei garantieren.

Michael X wiederum hat gute Kontakte zu der Londoner Unterweltgröße Vogel, dem Besitzer eines Nachtclub- und Pornoimperiums, der in einem der Schließfächer selber belastendes Material aufbewahrt: ein Notizbuch, in dem seine Zahlungen an korrupte Polizisten notiert sind. Und in einem der Schließfächer finden sich auch noch Fotos von Mitgliedern des politischen Establishments, die diese bei SM-Sessions in einem Edelpuff zeigen. Das komplexe Geflecht der verschiedenen Parteien, die alle ihr eigenes Süppchen kochen, und ihr wechselvolles Interagieren stehen im Mittelpunkt des Films. Regisseur Roger Donaldson beweist hier einmal mehr, dass er sich bestens darauf versteht, zu zeigen, wie sich um seinen Protagonisten eine Schlinge zieht, während er im Wettlauf mit der Zeit nicht nur ums eigene Überleben kämpfen muss.

Dabei gelingt ihm eine gute Balance zwischen Komik, Suspense und Drama. Die Szenen, in denen einige der Einbrecher von Vogels Handlangern gefoltert und ermordet werden, sind knapp gehalten. Und der »Transporter«- und »Crank«-Star Jason Statham, dessen Name als einziger auf dem Plakat und auch im Nachspann über dem Titel erscheint, fügt sich nahtlos in das Ensemble ein.

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