Kritik zu Am Anfang war das Licht

© Thimfilm

2010
Original-Titel: 
Am Anfang war das Licht
Filmstart in Deutschland: 
28.10.2010
L: 
95 Min
FSK: 
keine Beschränkung

P.A. Straubinger geht in seinem Dokumentarfilm dem Traum nach, es den Pflanzen nachzutun und von nichts als Licht zu leben, der für manche angeblich schon Wirklichkeit ist

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Low-Carbonisten, Veganer und Steinzeitköstler gehören mittlerweile als kulinarische Parallelgesellschaften zum Alltag. Dass es auch Lichtesser gibt, war der Autorin bisher unbekannt. Zumindest Menschen, die sich als solche bezeichnen. Nach den Regeln der Wissenschaft ist menschliches Überleben ohne Kalorien- und Mineralienzufuhr nämlich undenkbar, geschweige ohne Wasser. Trotzdem behaupten einige, genau dies zu tun. Am bekanntesten ist Ellen Greve, die australische Jane Fonda des Lichtköstlergewerbes, die es unter dem Künstlernamen Jasmuheen mit Büchern und Seminaren zu New-Age-Wohlstand gebracht hat. Dass der von ihr propagierte 21-Tage-Lichtnahrungsprozess schon vier Tote gefordert haben soll, lässt die Menge der Jünger kaum schrumpfen.

Der österreichische Regisseur P.A. Straubinger begibt sich auf die Spur einiger Lichtesser und unternimmt parallel einen historischen Streifzug durch das Phänomen bewusster Feststoffabstinenz, die auch in der europäischen Heiligenwelt Vertreter hat. Die Hauptwege liegen aber in Asien, wo es in China wie Indien starke entsprechende Traditionen gibt. Medialer Dauergast ist Yogi Prahlad Jani, der angeblich seit 70 Jahren nur von Prana (Energie) lebt. Die Verifizierung ist naturgemäß schwierig, auch, weil man die behaupteten energetischen Wechselprozesse mit der Natur schlecht in einem abgedichteten Labor untersuchen kann. Dennoch haben sich Jani und der Schweizer Lichtesser Michael Werner zehntägigen klinischen Fastentests unterworfen, die im Film referiert werden. Ein Urteil kann man sich daraus als Zuschauer nicht erlauben, auch Straubinger tut das bei aller Faszination nicht. Dennoch spricht es nicht für sein Arbeitsethos als Filmemacher, dass er die Ergebnisse schönredet und kritische Aspekte verschweigt.

Auch dramaturgisch hat »Am Anfang war das Licht« manipulative Tendenzen. Wenn die Leiter der indischen Studie mehrfach beteuern, wie überrascht sie selbst von dem »positiven« Ergebnis waren, soll das allzu offensichtlich die Glaubwürdigkeit am schwächsten Punkt des Experiments stützen: dem Vertrauen in die Neutralität des berichterstattenden Personals. Auch die kommentierenden Statements von Wissenschaftlern und Ärzten sind suggestiv montiert und werden zur bildlichen Untermauerung ihrer Wissenschaftlichkeit gern mit nichtssagenden Tabellenfragmenten illustriert. Kritische Stimmen haben dazwischen nur rhetorische Funktion. Solche Methoden sind beim journalistischen Filmemachen (und um solches handelt es sich hier, Straubinger ist auch Filmchef von Ö3) mittlerweile üblich, weil das angeblich der dramaturgischen Schönheit dient. Schade ist es trotzdem, der kontroverse Stoff im esoterisch-wissenschaftlichen Grenzbereich hätte eine seriösere Behandlung verdient. Straubinger endet seine filmische Reise standesgemäß mit Besuchen bei einigen wegen ihrer häretischen Positionen verfemten Grundlagenwissenschaftlern, die an den Schnittstellen von Bewusstsein und Materie forschen. Anregend zum Weiterdenken sind ihre Positionen auch für Skeptiker allemal.

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