Kritik zu Alkohol – Der globale Rausch

© Tiberius Film

2020
Original-Titel: 
Alkohol – Der globale Rausch
Filmstart in Deutschland: 
09.01.2020
L: 
89 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Ein weltumspannender Dokumentarfilm, der der Frage nachgeht, warum wir dem Alkohol so verfallen sind. Andreas Pichler lässt die eigene Winzer-Familiengeschichte hinter sich, um festzustellen, dass Alkohol eine gefährliche Droge ist

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Der Film endet mit einem klaren Statement, einer Warnung. »Jedes Jahr sterben drei Millionen Menschen weltweit an den Folgen des Alkoholkonsums – alle 10 Sekunden ein Mensch. Das sind mehr als durch Verbrechen, Verkehrsunfälle und illegale Drogen zusammen.« Von oben schaut die Kamera auf eine wenig belebte Straße, Menschen bewegen sich unter den Buchstaben hinweg, todgeweiht jeder Dritte von ihnen. Alkohol ist eine Droge. Legal, ubiquitär und nichtsdestoweniger tödlich. Vorbei die Mär, dass ein Glas Rotwein am Tag gesund sein soll, etwas Alkohol nicht schadet und man ruhig trinken kann, wenn man immer wieder abstinente Phasen einlegt. Auch in geringen Mengen schadet Alkohol dem Geist, dem Körper, der Haut, den Organen und den Knochen. Er begünstigt Krebserkrankungen, Konzentrationsschwäche, sozialen Verfall. Gleichzeitig ist Alkohol ein Riesengeschäft, generiert Milliarden an Steuereinnahmen und erhält eine ganz Industrie aufrecht, die sich mitunter auch aggressiv neue Märkte erschließt. Selbst wenn die Kosten der Behandlung von alkoholinduzierten Schädigungen die Einnahmen bei Weitem übersteigen, ist es im Interesse eines jeden Staates, dass getrunken wird. Denn die Einnahmen gehen direkt in die öffentliche Hand, die Kosten tragen die Betroffenen, deren Familien und die Krankenkassen. Alkohol befriedigt ein zutiefst menschliches Bedürfnis nach Rausch, aber auf so hinterhältige Weise, dass das Gehirn immer mehr braucht, um die begehrten Botenstoffe auszuschütten. Wer diesen Film gesehen hat, wird das nächste Glas Bier sehr schal finden. 

Es ist die falsche Stelle, sich über den Namen lustig zu machen, Andreas Pichler hat einen Film gedreht, der keinen Spaß versteht. Er erklärt sehr genau, warum wir trinken, verliert in der Analyse aber die Freude daran. Er lässt Menschen zu Wort kommen, die auf der Suche nach momentanem Kontrollverlust abgestürzt sind, Menschen, die nie wieder trinken wollen. Bei aller Konsequenz wird er dabei nie radikal. Er verhält sich wie die Alkoholindustrie, die aus den Fehlern der Tabakindustrie gelernt hat und die Gefahren nicht leugnet. Sie sagt, natürlich ist Alkohol schädlich, aber mit den Folgen musst du selbst klarkommen. 

Weder in den Bildern noch im Off-Text wird Pichler drastisch, moralisch oder belehrend. Und doch ist das einzige Ziel dieses Films, den Dämon Alkohol mit großen Strichen zu zeichnen und zu verdammen. Selbst wenn ein Vertreter der Winzervereinigung erklärt, dass es so gut wie kein Risiko gebe, wenn die Weinkultur in einen normalen Lebensstil eingebunden ist, ist hier nur sehr wenig von Genuss die Rede. Stattdessen spricht er deutlich von Missbrauch, realer Not und potenzieller Gefahr. Andreas Pichler ist in der Weinkultur aufgewachsen. Zu Hause bei ihm stand abends immer eine Flasche Wein auf dem Tisch. Viele seiner Freunde machen Wein, erzählt er im Film. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass diese Unbefangenheit der Droge Alkohol gegenüber auch nach den Dreharbeiten noch Bestand hat.

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